ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2015Psychotherapeutische Vergütung: Schiedsgremium muss entscheiden

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Psychotherapeutische Vergütung: Schiedsgremium muss entscheiden

Bühring, Petra

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangte bei Verhandlungen mit den Krankenkassen rückwirkend höhere Honorare für Psychotherapeuten. Der GKV-Spitzenverband hält die Honorare dagegen für angemessen.

Seit 2008 ist keine Anpassung unserer Honorare mehr erfolgt – und das, obwohl die Überschüsse psychotherapeutischer Praxen weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Überschüsse aller anderen Arztgruppen betragen.“ Das beklagte Dieter Best, Dipl.-Psych., stellvertretender Vorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), bei einem Symposium seines Verbandes Ende in Berlin zum Thema „Schwere psychische Erkrankungen“.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) findet, dass die Honorare der Psychotherapeuten zu niedrig sind: „Unsere Überprüfung hat ergeben, dass die antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen zu niedrig bewertet sind. Das sollten auch die Krankenkassen anerkennen“, fordert der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Gassen.

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KBV forderte Erhöhung ab 2012 um 5,4 Prozent

Am 23. Juni hatte der Bewertungsausschuss in einer Sitzung darüber verhandelt, ob die Vergütung für die genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapie im Jahr 2012 und in den Folgejahren die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. KBV und GKV-Spitzenverband konnten sich nicht einigen. „Die Verhandlungen sind gescheitert“, heißt es aus der KBV.

Die KBV wollte erreichen, dass die Honorierung antragspflichtiger psychotherapeutischer Leistungen (EBM-Abschnitt 35.2) rückwirkend ab 2012 um rund 5,4 Prozent erhöht wird. Damit wäre das Honorar für eine Therapiestunde im Jahr 2012 im Schnitt um 4,35 Euro auf etwa 85,50 Euro gestiegen. Für das laufende Jahr hätte dies eine Anhebung auf 88,65 Euro bedeutet. Der Antrag der KBV sah zudem vor, dass überdurchschnittlich ausgelastete Praxen einen Strukturzuschlag von bis zu 15 000 Euro im Jahr erhalten. Dieser Zuschlag sollte die höheren Aufwendungen der Praxisorganisation abdecken, zum Beispiel durch die Beschäftigung von Personal. Es soll ein Anreiz geschaffen werden, dass Psychotherapeuten künftig mehr antrags- und genehmigungspflichtige Leistungen anbieten und so der steigende Bedarf besser gedeckt werden kann.

Gerade auch für die Behandlung schwer psychisch kranker Patienten mit Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen oder Borderline-Erkrankungen, die oftmals im gemeindepsychiatrischen Netz versorgt werden, sei ein höherer Koordinationsaufwand erforderlich. „Fallkonferenzen, Übergabegespräche, zusätzliche Telefonate und anderes sind erforderlich – vergütet bekommen wir das nicht“, kritisierte Barbara Lubisch, Dipl.-Psych., Vorsitzende der DPtV.

Beide Vorschläge für eine bessere Honorierung lehnten die Krankenkassen im Bewertungsausschuss nach Darstellung der KBV ab. Sie halten die derzeitige Vergütung für angemessen. Die KBV hat deshalb den Erweiterten Bewertungsausschuss angerufen. Das Schiedsgremium will im August entscheiden. Im Bewertungsausschuss bewerten KBV und GKV-Spitzenverband die ärztlichen Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Kommen dort keine einvernehmlichen Beschlüsse zustande, wird das Gremium um einen unparteiischen Vorsitzenden und zwei Mitglieder erweitert. Unparteiischer Vorsitzender des Erweiterten Bewertungsausschusses ist der Essener Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem.

Sowohl die DPtV als auch der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) begrüßen die Anrufung des Erweiterten Bewertungsausschusses ausdrücklich. „Wir erwarten einen rechtssicheren und sachgerechten Beschluss“, betonte Best, der auch stellvertretendes Mitglied im Bewertungsausschuss ist. Die Verbände hatten zuvor „eine Einigung auf Kosten der Psychotherapeuten“ befürchtet. „Doch die KBV hat in einer Weise für uns gekämpft, dass wir sehr zufrieden sein konnten“, sagte Jürgen Doebert, Sachverständiger im Bewertungsausschuss und Mitglied im Vorstand des bvvp, gegenüber PP.

Überprüfung sollte bereits letztes Jahr stattfinden

Der Bewertungsausschuss hatte bereits im Dezember 2013 beschlossen, die Überprüfung der Angemessenheit der Psychotherapeutenhonorare bis Juni 2014 durchzuführen. Zurück geht dieser Beschluss auf mehrere Urteile des Bundessozialgerichts aus den Jahren davor. Die Richter hatten entschieden, dass eine voll ausgelastete psychotherapeutische Praxis einen Ertrag erzielen können muss, der dem durchschnittlichen Einkommen vergleichbarer Arztgruppen entspricht.

Die Psychotherapeuten hatten dem Bewertungsausschuss deshalb bei diversen Demonstrationen gegen die schlechte Honorierung „interessengeleitete Untätigkeit“ vorgeworfen: zuletzt bei Protesten im Vorfeld der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung im Mai.

Die Vergütung genehmigungspflichtiger psychotherapeutischer Leistungen erfolgt seit 2013 außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung und damit extrabudgetär und nicht mehr zulasten des Facharzttopfes.

Petra Bühring

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