ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2015Psychiatrie: Unverständlicher Rundumschlag
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Die in diesem Artikel geäußerte Kritik an PEPP (pauschalierendes Entgeltsystem für die psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychosomatischen Krankenhäuser) ist gut nachvollziehbar. Vermutlich wird PEPP tatsächlich eine erhebliche Gefährdung einer patientenzentrierten qualitativ hochwertigen Krankenhausversorgung für psychisch Kranke verursachen. Insofern ist der Gedanke, ein Budget für die psychiatrischen Krankenhäuser mit Versorgungsverpflichtung auszuhandeln, mit dem dann die Versorgung der psychisch Kranken vor Ort angemessen erreicht werden kann, durchaus sinnvoll und unterstützenswert.

Weshalb aber die Autoren in einer Art Rundumschlag dann zu der Überlegung kommen, auch gleich die ambulante Versorgung psychisch Kranker an sich reißen zu wollen, bleibt völlig unverständlich. Dies dient weder den Krankenhäusern (die ja schon jetzt Probleme haben, qualifiziertes Personal für ihre psychiatrischen Stationen zu finden) noch den Patientinnen und Patienten (die dann mit häufig wechselnden Ärzten in Weiterbildung konfrontiert würden) noch dem Gesundheitswesen, weil hier eine Verwaltungsstruktur angestrebt wird, die den Bereich der Arbeit am Patienten beschneiden würde bei enormer Aufblähung von Overheadkosten.

Vor allem aber ist es ein heftiger Affront gegenüber den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und Psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, denen unterstellt wird, dass sie unzureichend tätig sind. Die von uns mit guten Erfolgen geleistete qualifizierte Arbeit wird hier pauschal entwertet und eine völlig unrealistische Heilserwartung in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser gesetzt, die sich im Praxisalltag in keiner Weise bestätigen lässt. Alle Erfahrungen und auch Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass gerade bei psychischen Erkrankungen die therapeutische Beziehung ein wichtiger Heilfaktor ist. Die kontinuierliche Therapeut-Patient-Beziehung ist nur in der ambulanten Versorgung sicherzustellen . . .

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Dr. med. Erika Goez-Erdmann, Mitglied im Bundesvorstand des Berufsverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), 58452 Witten

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