ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2015Trauerstörung: Gut konzipierte Behandlungsverläufe

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Trauerstörung: Gut konzipierte Behandlungsverläufe

PP 14, Ausgabe Juli 2015, Seite 332

Koch, Joachim

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Um Prozesse der Trauer nicht zu pathologisieren, ist eine Psychotherapie in der Folge eines Verlustes nur dann sinnvoll, wenn eine anhaltende Trauer oder eine andere psychische Störung vorliegt. Es gibt Hinweise, dass Psychotherapie bei normaler Trauer schaden kann. Zur Diagnostik kann als Selbstbeurteilungsverfahren die deutsche Version des „Inventory of Complicated Grief“ (ICG-D) durchgeführt werden, die dem Buch neben anderen Materialien auf einer CD-ROM beigefügt ist. Der Cut-off für das Vorliegen einer anhaltenden Trauer liegt bei 25 Punkten (19 Aussagen mit maximal 76 Punkten).

Im Buch wird für die anhaltende Trauerstörung bei Erwachsenen eine integrative Kognitive Verhaltenstherapie als ambulante Einzeltherapie und als Gruppentherapie im stationären Setting beschrieben. Das Manual für die Gruppentherapie (fünf bis acht Teilnehmer) umfasst neun Sitzungen à 100 Minuten. Die Einzeltherapie besteht aus 25 Sitzungen mit den drei Phasen: Stabilisieren, Explorieren, Motivieren und Zielsetzung; Reinterpretieren und Konfrontieren; Integrieren, Transformieren und Abschluss.

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In der ersten Phase wird das eigene Trauerverhalten identifiziert, und es werden familiäre Erfahrungen im Umgang mit Trauer erarbeitet. Im Rahmen einer Behandlungsstunde wird die verstorbene Person vorgestellt, es können dabei Fotos, Musik, Portfolios, Literatur oder Erzählungen eingesetzt werden. Ziel ist eine realistische Personenbeschreibung, bei der die verstorbene Person in vielen Facetten gesehen werden kann, statt sie zu idealisieren oder sie abzuwerten.

In Phase zwei werden die schlimmsten Gedanken oder Erfahrungen bezüglich des Sterbens oder des Todes des Verstorbenen benannt und bezüglich ihres Realitätsgehaltes geprüft. Der Umgang mit dysfunktionalen Gedanken wird mit verschiedenen Übungen modifiziert. In einer Exposition werden die Patienten mit den schwierigsten Bildern bezüglich des Todes der nahestehenden Person konfrontiert. Die Auseinandersetzung mit schmerzhaften Trauergefühlen wird gefördert. Am Ende des zweiten Behandlungsabschnittes steht der „Gang zum Grab“, eine Handlung, die die Wirkung einer Aussöhnung hat. Dadurch werden neue Möglichkeiten für die Zukunft geschaffen, was Inhalt der dritten Behandlungsphase ist. Hier geht es darum, wie mit dem „Erbe“ der verstorbenen Person umgegangen und was der verstorbenen Person gewidmet werden soll.

Das Autorenteam hat die Behandlungsverläufe gut konzipiert, die Inhalte sind minutiös und gut verständlich beschrieben. Es wird von ersten positiven Evaluationsergebnissen berichtet, die darauf schließen lassen, dass die vorgestellten Behandlungen der anhaltenden Trauer wirksame Methoden sein können. Joachim Koch

Rita Rosner, Gabriele Pfoh, Roberto Rojas et al.: Anhaltende Trauerstörung. Hogrefe, Göttingen 2015, 174 Seiten, kartoniert, 49,95 Euro

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