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Beide Diskussionsbeiträge machen deutlich, dass das Risiko für Blutungen bei Patienten mit Thrombozytopenie unterschiedlich ist. Klinisch relevante Blutungen können allerdings selbst durch die prophylaktische Transfusion von Thrombozyten in doppelter Standarddosierung nicht verhindert werden, was erst kürzlich in einer großen Studie an über 1 000 Patienten belegt werden konnte (1). In dieser Studie bestätigte sich auch, dass das Risiko für Blutungen bei unterschiedlichen Patientengruppen sehr unterschiedlich ist. Insbesondere bei autolog transplantierten Patienten war das Risiko gering. Schon heute werden nach den Qualitäts-Leitlinien unterschiedliche Empfehlungen entsprechend des Blutungsrisikos gegeben. Es ist das Ziel, in Zukunft noch genauer Risikogruppen (zum Beispiel akute Leukämie bei Induktion) und Patienten mit niedrigem Risiko (zum Beispiel autologe Stammzelltransplantation) zu definieren und dann auch unterschiedlich transfundieren zu können. Besonders blutungsgefährdet ist die kleine Patientengruppe mit Promyelozytenleukämie zum Beispiel vor Erreichen einer Remission und bedarf einer besonders intensiven Behandlung mit Thrombozyten und gleichzeitig gerinnungsmodifizierenden Medikamenten. Hierauf hat J. Mezger in seinem Leserbrief dankenswerter Weise hingewiesen. Auch Patienten mit einer länger anhaltenden, hypoproliferativen Thrombozytopenie nach intensiven Chemotherapien müssen zumindest 1 – 2 × täglich kontrolliert werden, wie dies in den prospektiven Studien auch gefordert wurde. Es waren aber entgegen dem Beitrag von R. Zimmermann in diesen Studien keine „engmaschigen Untersuchungen“ erforderlich. Ist dieser Minimalstandard nicht gewährleistet und ist nicht innerhalb von 4 Stunden nach Diagnose einer Blutung eine adäquate Transfusion mit Thrombozyten gesichert (dieser Zeitrahmen war in den Studien vorgesehen und nicht eine „sofortige“ Transfusion), so sollte an einer solchen Klinik auch keine Leukämietherapie oder hämatopoetische Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Das ist unabhängig davon, welche Transfusionsstrategie verfolgt wird, denn dies würde zu unkalkulierbaren Risiken nicht nur bezüglich Blutungen führen.

Die publizierten Daten und die zwischenzeitliche Erfahrung an mehreren hundert Patienten belegen, dass eine therapeutische Transfusionsstrategie bei autolog transplantierten hämatologischen Patienten ohne erhöhtes Risiko für schwerere Blutungen durchführbar ist und dabei die Thrombozytentransfusionen um mindestens ein Drittel reduziert werden können. Die etwas erhöhte Wahrscheinlichkeit für geringgradige Blutungen ist dabei der Transfusionsstrategie geschuldet, bei der ja erst bei ersten geringen Blutungen Thrombozyten transfundiert werden.

Dieses differenzierte Vorgehen wird von Transfusionsmedizinern und erfahrenen Hämatologen geteilt (2, 3). Thrombozytentransfusionen sind nicht nur hilfreich sondern sind allogene, biologische Medikamente, die nur nach entsprechender Güterabwägung indiziert eingesetzt werden sollten (4).

Weitere Analysen der vorliegenden Daten (5), aber auch weitere klinische Studien sind erforderlich, um eine differenziertere Transfusionstherapie mit Thrombozyten in Zukunft zum Nutzen unserer Patienten zu ermöglichen.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0506

Prof. Dr. med. Hannes Wandt

Dr. med. Kerstin Schäfer-Eckart

Medizinische Klink 5

Hämatologie und Onkologie
Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg

wandt@klinikum-nuernberg.de

Prof. Dr. med. Andreas Greinacher

Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin
Universitätsmedizin Greifswald

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Slichter SJ, Kaufman RM, Assmann SF, et al.: Dose of prophylactic platelet transfusions and prevention of hemorrhage. N Engl J Med 2010; 362: 600–13 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Schiffer CA: Prophylactic platelet transfusion is frequently not necessary. Nat Rev Clin Oncol 2013; 10: 431–2 CrossRef MEDLINE
3.
Schiffer CA: They took a mulligan and mostly got it right . . . the issue of prophylactic platelet transfusion for patients receiving autologous stem cell transplantation. Transfusion 2014; 54: 2372–4 CrossRef MEDLINE
4.
Blumberg N, Heal JM, Phillips GL, Phipps RP: Platelets – to transfuse or not to transfuse. Lancet 2012; 380: 1287–89 CrossRef
5.
Wandt H, Schäfer-Eckart K, Greinacher A: Platelet transfusion in hematology, oncology and surgery. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 809–15 VOLLTEXT
1.Slichter SJ, Kaufman RM, Assmann SF, et al.: Dose of prophylactic platelet transfusions and prevention of hemorrhage. N Engl J Med 2010; 362: 600–13 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Schiffer CA: Prophylactic platelet transfusion is frequently not necessary. Nat Rev Clin Oncol 2013; 10: 431–2 CrossRef MEDLINE
3.Schiffer CA: They took a mulligan and mostly got it right . . . the issue of prophylactic platelet transfusion for patients receiving autologous stem cell transplantation. Transfusion 2014; 54: 2372–4 CrossRef MEDLINE
4.Blumberg N, Heal JM, Phillips GL, Phipps RP: Platelets – to transfuse or not to transfuse. Lancet 2012; 380: 1287–89 CrossRef
5.Wandt H, Schäfer-Eckart K, Greinacher A: Platelet transfusion in hematology, oncology and surgery. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 809–15 VOLLTEXT

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