ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2015Börsebius: Der berühmte Sack Reis

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Börsebius: Der berühmte Sack Reis

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Große Aufregung in China. Seit Wochen geht es an den Börsen von Schanghai und Shenzhen nach unten und das in einer Brutalität, die schon recht schmerzhaft ist. 30 Prozent Minus stehen bis jetzt zu Buche und keiner weiß, wann die Talfahrt zu Ende sein wird.

Dabei hatten die Leute dort – wenigstens bis zum Frühjahr – viel Spaß mit Aktien und nahezu jede Hausfrau und jeder Kioskbesitzer machte auf Börsenexperte und zockte wild durch die Gegend, nahezu wie bei uns zu den besten Zeiten des Neuen Marktes, aber die Spekulationssummen sind um ein Vielfaches höher als die Gelder, die bei uns damals bewegt wurden.

Mit aller Macht versucht jetzt die chinesische Staatsführung das Experiment Marktwirtschaft zu stoppen und die unerwünschte Baisse zu beenden, auf Teufel komm raus. Dabei greift die Regierung tief in die Mottenkiste des Staatskapitalismus und verbietet schlichtweg den Verkauf von Aktien, zumindest dürfen nahezu die Hälfte aller gelisteten Unternehmen nicht mehr gehandelt werden. Auch die Notenbank und die Börsenaufsicht müssen notgedrungen mitspielen. Transaktionskosten wurden drastisch gesenkt, ebenso die Leitzinsen. Aber ob das alles hilft, ist mehr als fraglich. Ein chinesischer Börsencrash, das darf und kann einfach nicht sein. So postuliert es zumindest das Zentralkomittee. Wenn das alles immer so einfach wäre.

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Was soll´s, China ist weit weg. Wir haben zum einen mit Griechenland genug Ärger im eigenen Laden und zum anderen stellt die chinesische Marktbereinigung für uns keine Gefahr dar. Das sagen zumindest derzeit etliche Experten. Ich sehe das aber eher mit gemischten Gefühlen. Wenn die Masse der chinesischen Anleger sich schmerzhaften Verlusten ausgesetzt sieht, dann wird auch die Konsumneigung abnehmen. Und dann werden auch westliche Produkte weniger nachgefragt. Nicht umsonst reagierten deutsche Auto-Aktien schon empfindlich auf das chinesische Börsendrama.

Der berühmte Sack Reis in China, dessen Umfallen einen nach Volkes Stimme nicht sonderlich tangiert, könnte uns also durchaus auf die Füße fallen. Autsch.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem ersten Samstag des Monats, können Sie auch am 1. August 2015 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenfreie Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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