ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2015Zukunft der Medizin: Trendstudie will den Weg weisen

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Zukunft der Medizin: Trendstudie will den Weg weisen

Dtsch Arztebl 2015; 112(29-30): A-1280 / B-1072 / C-1044

Gerst, Thomas

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Der Arzt wird sich in der neuen digitalen Welt zurechtfinden müssen, um weiterhin den „Gesundheitskunden“ an sich binden zu können, sagen Zukunftsforscher.

Eine Bank, zu deren Klientel insbesondere Ärzte und Apotheker gehören, muss sich eine Vorstellung davon verschaffen, wie die gesundheitliche Versorgung in 20 Jahren aussehen wird. „Wir haben die Verpflichtung gegenüber unseren Kunden, den Blick in die Zukunft zu richten“, betonte Ulrich Sommer, Vorstandsmitglied der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), am 25. Juni in Düsseldorf bei der Vorstellung der Trendstudie „Personalisierte Medizin der Zukunft“. Die Studie helfe bei der Einschätzung, wo es Risiken in der klassischen Investitionsförderung geben und wie die geeignete Finanzierungsberatung aussehen wird. Business as usual, könnte man meinen – aber die apoBank ging einen für sie neuen Weg, beauftragte das Zukunftsforschungsinstitut 2b
AHEAD ThinkTank und stellte dessen Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vor. Wie die „Schöne neue Welt“ insbesondere des niedergelassenen Arztes in 20 Jahren aussehen wird, erläuterte Michael Carl, der den Bereich Research und Studien des Instituts leitet.

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Was der Arzt tun muss, um sich angesichts der rasanten Entwicklung der Medizin zukunftssicher aufzustellen, sei eine der zentralen Fragen gewesen, sagte Carl. Für deren Beantwortung hat sich der ThinkTank des wissenschaftlichen Ansatzes der Delphi-Studien bedient, das heißt, es gab lange, strukturierte Interviews mit Experten der Gesundheitsversorgung, darunter die Präsidenten von Bundesärzte-, Bundeszahnärztekammer und Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Liste der weiteren zwölf befragten Experten enthält jedoch nur einen einzigen in der Gesundheitsversorgung tätigen Arzt, die meisten Befragten arbeiten für Unternehmen der Gesundheitsbranche.

Die Kondensierung der Experteninterviews lässt für Michael Carl nur den Schluss zu: „Es wird ein Veränderungsdruck entstehen, dem sich der Arzt nicht entziehen kann.“ Dieser Veränderungsdruck werde in verschiedenen Trendfeldern deutlich. Dabei wird Big Data eine große Rolle spielen: „Wir werden in Zukunft nicht erst Daten haben, wenn wir Beschwerden haben, sondern werden einen kontinuierlichen Datenstrom über uns, über jeden Menschen haben“, heißt es in der Trendstudie. Immer komplexere Risikoprofile könnten über den einzelnen Patienten erstellt werden. „Ärzte werden die Übersetzung von wissenschaftlichen Prognosen in den Alltag des Patienten leisten müssen.“ Diese personalisierte Medizin findet laut Trendstudie auf Augenhöhe statt, der Arzt werde zum Berater der Patienten.

Um mit dieser Entwicklung Schritt halten zu können, müsse der Arzt der Zukunft alle Möglichkeiten der digitalen Welt optimal nutzen. Die Erhebung von Gesundheitsdaten mit dem Smartphone oder anderen tragbaren Computern (Wearables) werde schon bald Standard sein. „Wer die Daten hat, hat Zugang zu den Patienten und kann den Patienten steuern“, bringt es die Trendstudie auf den Punkt. Die aus der digitalen Welt erwachsende personalisierte Medizin führe gleichzeitig dazu, dass die Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit verschwimmen. Der Patient der Zukunft müsse als Gesundheitskunde wahrgenommen werden, der nicht nur mit eingetretenen Erkrankungen umzugehen habe, sondern auch auf vorhandene Risikoprofile und eine breite Datengrundlage zu seinen Gesundheitsrisiken zugreifen könne. In diesem Bereich entstünden neue Marktchancen auch für andere Anbieter, seien es IT-Unternehmen, Telekommunikationsanbieter, Ernährungs- oder Fitnessbranche.

Thomas Gerst

@Trendstudie im Internet:
www.aerzteblatt.de/151280

Empfehlungen

Damit der Arzt sich auf dem Zukunftsmarkt weiterhin behaupten kann, gibt ihm die Trendstudie Empfehlungen mit auf den Weg, darunter auch die folgenden:

„Gehen Sie auf Ihren Gesundheitskunden zu. Rufen Sie ihn an. Treffen Sie ihn regelmäßig. Stellen Sie ihn in den Mittelpunkt, nutzen Sie alle vorhandenen Daten . . . Brechen Sie, sofern nicht längst geschehen, endgültig eine verengte Sicht einer traditionellen Schulmedizin auf, die außer Betracht lässt, was sie nicht für wissenschaftlich begründet, für medizinisch fundiert . . . sieht.“

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