ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2015Mobile Visite: Krankenhaus stellt auf Tablets um

TECHNIK

Mobile Visite: Krankenhaus stellt auf Tablets um

Dtsch Arztebl 2015; 112(29-30): A-1298 / B-1088 / C-1060

Krüger-Brand, Heike E.

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Im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn arbeiten Ärzte und Pflegekräfte nicht mehr mit Papierakten, sondern greifen über iPad minis orts- und zeitunabhängig auf Patientendaten zu.

Ein integriertes Arzneimittelinformationssystem hilft, Medikationsfehler zu vermeiden. Foto: Deutsche Telekom AG
Ein integriertes Arzneimittelinformationssystem hilft, Medikationsfehler zu vermeiden. Foto: Deutsche Telekom AG

Das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn will künftig nur noch mit digitalen Diagnosen und Befunden arbeiten und sich von papierbasierten Patientenakten verabschieden. In einem Pilotprojekt mit der Deutschen Telekom hat das Krankenhaus seit Oktober 2014 damit begonnen, Ärzte und Pflegekräfte mit 200 Tabletcomputern (iPad mini) auszustatten, über die sie mobil auf das Krankenhausinformationssystem (iMedOne) zugreifen können.

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Im geschützten WLAN

Während jeder Arzt ein eigenes personalisiertes Gerät für die Kitteltasche erhält, werden die Geräte für die Pflegekräfte jeweils weitergereicht, wenn eine Schicht beendet ist. Die Geräte haben aus Datenschutzgründen keine Verbindung ins Internet, sondern werden in einem geschützten WLAN betrieben. Sämtliche Eingaben werden in einem kurzen Zeittakt jeweils auf Station zwischengespeichert und parallel in der Cloud abgelegt. Inzwischen ist die Einführung der mobilen Visite zu 80 Prozent abgeschlossen. In die Infrastruktur hat das Gemeinschaftskrankenhaus etwa eine halbe Million Euro investiert.

Der Vorteil aus medizinischer Sicht sei die schnelle Verfügbarkeit der Patientendaten zu jeder Zeit und an jedem Ort im Haus, etwa wenn ein Unfallpatient eingeliefert werde und die Röntgenbilder direkt im OP bereitstünden, betonte Jochen Textor, Ärztlicher Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses. Dies sei umso wichtiger, als das Haus auf mehrere Standorte verteilt sei. Auch könnten die Ärzte von zu Hause aus auf die Daten zugreifen.

Ein weiterer Vorteil sei die Entlastung der Pflege, da unter anderem die Aktensuche entfällt und eine Doppeldokumentation vermieden wird – Zeit, die dem Patienten zugute kommen könne, so Textor. Viele Informationen erfassen die Ärzte und das Pflegepersonal direkt am Patientenbett. Mit der eingebauten Kamera können zum Beispiel Bilder für die Wunddokumentation aufgenommen werden. Änderungen der Medikation eines Patienten fließen unmittelbar in die digitale Patientenakte ein und sind dort für alle Beteiligten abrufbar.

Dabei unterstützt das System Textor zufolge auch die Patientensicherheit: Medikationsfehler, die oft durch eine schlecht lesbare Handschrift verursacht werden, lassen sich vermeiden. Zudem können die Ärzte über ein integriertes Arzneimittelinformationssystem online einen Sicherheitscheck durchführen, um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen. Auch die Hygiene wird verbessert, da sich die Pads im Unterschied zu Papierakten desinfizieren lassen.

Vor der Einführung des Systems waren vor allem die Ärzte zunächst skeptisch. Das habe sich aber schnell gelegt, berichtete Gesa Stöhr, Assistenzärztin in der Gefäßchirurgie. „Das System ist selbsterklärend und stabil. Ich kann alles nachsehen, etwa Bilder, Befunde und Laborwerte zum Patienten.“ Die Texteingabe sei zwar etwas mühsam. Unterstützung bieten hier Textbausteine und künftig auch die Spracheingabe.

Optimierung der Prozesse

„Unser Ziel ist eine Kostenreduktion bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung“, erklärte Klaus-Werner Szesik, Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses. Das sei nur über die Optimierung der Prozesse möglich. „Dabei wollen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen.“ Röntgenbilder wurden bereits im Haus abgeschafft und durch ein digitales Bildmanagement ersetzt. Dokumente von externen Partnern werden eingescannt und in die digitale Dokumentation eingepflegt.

„Alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Timotheus Höttges. Das Gesundheitswesen habe hier noch einen großen Nachholbedarf, aber: „Der Gesundheitsbereich fängt jetzt an zu fliegen.“ Die Telekom verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit circa 200 Krankenhäuser als Softwarekunden, zudem haben inzwischen 35 Kliniken die mobile Datenerfassung per Tabletcomputer implementiert, die Nachfrage sei so hoch, dass man kaum hinterherkomme. Ebenso steigt die Nachfrage nach cloudbasierten IT-Diensten.

Heike E. Krüger-Brand

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