ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2015Pneumologie: Inhalationstherapeutika sind nicht beliebig austauschbar

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Pneumologie: Inhalationstherapeutika sind nicht beliebig austauschbar

Vetter, Christine

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Foto: John Bavosi/SPL/Agentur Focus
Foto: John Bavosi/SPL/Agentur Focus

Fehler bei der Anwendung verschiedener Systeme können die Wirksamkeit der Therapie und damit den Behandlungserfolg gefährden. Pneumologische Fachverbände fordern daher den Ausschluss der bestehenden Aut-idem-Regelung

Sowohl bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) als auch beim Asthma hat die Inhalationstherapie einen hohen Stellenwert, da sie sehr effektiv und zugleich nebenwirkungsarm ist. Voraussetzung ist jedoch, dass die verordneten Substanzen tatsächlich in den Lungen deponiert werden und dort ihre Wirkung entfalten können.

Sowohl die Wirkstoffe als auch die Zusatzstoffe (Laktulose bei Trockenpulverinhalatoren, Treibgase bei Dosieraerosolen) sind daher galenisch auf das jeweilige Inhalationssystem abgestimmt. Außerdem unterscheiden sich die Devices in Aufbau und Funktionalität erheblich, sodass bei Anwendung wirkstoffgleicher Präparate aus unterschiedlichen Inhalatoren nicht zwangsläufig von einer therapeutischen Äquivalenz auszugehen ist.

Einen Austausch des Präparates durch Apotheker lehnen die Pneumologen daher ab. In einer offiziellen Stellungnahme fordern die pneumologischen Fachgesellschaften* deshalb den „grundsätzlichen Ausschluss der beim Asthma wie auch der COPD eingesetzten Inhalativa von der Aut-idem-Regelung“. Als Begründung wird angegeben, dass das ausgewählte Inhalationssystem selbst ein integraler Bestandteil der Therapie ist. Denn welcher Inhalator verordnet wird, hängt neben den klinischen Gegebenheiten wesentlich von den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Patienten ab – so können sich hohes Lebensalter und mögliche Komorbiditäten wie eine Arthrose oder eine rheumatoide Arthritis die Handhabung des Inhalators beeinflussen. Zudem würden die Patienten in der Praxis im Umgang mit „ihrem“ device geschult und dessen richtige Anwendung in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Jeder Wechsel eines Inhalationssystems könne potenziell zu einer Über- oder Untertherapie führen.

Pneumologie steht vor massiven Herausforderungen

Mit dem steigenden Anteil alter Menschen in Deutschland nimmt zwangsläufig auch die Zahl der Patienten mit chronischer Atemwegserkrankung wie COPD, Lungenhochdruck und Bronchialkarzinom zu, hieß es beim 56. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) in Berlin. „Zunehmen wird vor allem die Zahl der Patienten mit erheblichen Komorbiditäten“, sagte Prof. Dr. med. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover. Auf deren Versorgung seien die derzeitigen Strukturen nicht vorbereitet – weder die niedergelassenen Praxen, noch die Kliniken und Notfallambulanzen. Vor diesem Hintergrund forderte Welte eine Intensivierung der intra- und interdisziplinären Zusammenarbeit mit stärkerer Vernetzung im ambulanten und stationären Bereich sowie den Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Nach Angaben von Welte gibt es einen weiteren Grund, eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Sektoren und Disziplinen zu fordern; dieser sei den Fortschritten in der Pneumologie geschuldet. Denn bei Krankheitsbildern wie der Mukoviszidose und dem Asthma vollziehe sich eine Verschiebung der Versorgungsnotwendigkeit aus dem pädiatrischen Bereich in die Erwachsenenmedizin. „Vor allem die Mukoviszidose ist längst den Kinderschuhen entwachsen. Doch unsere Strukturen sind noch nicht gut genug entwickelt, um einen optimalen Übergang der Patienten von der pädiatrischen in die internistische Pneumologie zu gewährleisten“, betonte Welte.

Handlungsbedarf sieht er zudem hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung von Atemwegserkrankungen. Dennoch werden wichtigste Symptome für eine chronische Lungenerkrankung wie Dyspnoe, Husten und Auswurf laut Welte oftmals nicht ernst genommen und primär anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Herzerkrankungen zugeschrieben. Eine lungenfachärztliche Abklärung solcher Beschwerden finde häufig erst vergleichsweise spät statt.

Christine Vetter

*Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V., Bundesverband der Pneumologen in Deutschland (BdP), Verband Pneumologischer Kliniken e. V. (VPK) und Deutsche Atemwegsliga e. V.

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