ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2015Anti-Impf-Ideologie: Die Verantwortung fehlt
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Die ganze bisherige Diskussion um die Anti-Impf-Ideologie am Beispiel der Masern geht am Thema vorbei. Es geht nicht um Deutschland, sondern um Millionen Maserntote in der Zweiten und Dritten Welt. Warum das Masernvirus in der Dritten Welt so verheerend wütet, während die Häufigkeit schwerer Folgeerkrankungen in Deutschland erträglich ist, für diese Aufklärung haben deutsche Forscher 2000 den Emil-von-Behring-Preis erhalten. Wir haben auch für diese Kinder eine Verantwortung. Die bis 2013 geplante globale Ausrottung der Polioviren scheiterte an Afghanistan, Nigeria und Pakistan. Die Ausrottung des Masernvirus, einem nahen Verwandten des bereits ausgerotteten Rinderpestvirus, droht an Deutschland zu scheitern.

Anfang 2009 erschien ein WHO-Bulletin mit Themenschwerpunkt Deutschland. Deutschlands Impfgegner wurden darin auf eine Stufe gestellt mit nigerianischen Geistheilern und indischen Provinzärzten. Wie es der Zufall will, war ausgerechnet im gleichen Jahr Deutschland verantwortlich für 25 000 Masernfälle in Europa mit 24 Todesfällen.

Noch einmal: Es geht nicht um Deutschland. Deutschland kann auf die Ausrottung der Masernviren verzichten, aber nicht die Zweite und Dritte Welt. Deutschland kann auch auf den gentechnisch hergestellten „Goldenen Reis“ verzichten, aber weltweit sterben jährlich Millionen Menschen an Eisen- und Vitamin-A-Mangel. Patrick Moore, der Gründer von Greenpeace, spricht von „moralischen Abgründen“ der Gentechnikgegner.

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Das gleiche gilt für die nur auf Deutschland bezogenen Argumente der Impfgegner. Das Wort Verantwortung kommt in keinem einzigen der Diskussionsbeiträge vor. Das Urteil der WHO ist wenig schmeichelhaft.

Dr. med. Rolf Klimm , 83093 Bad Endorf

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