ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Defibrillatoren: Verwundert
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Etwas verwundert haben wir den oben genannten Artikel gelesen. Es ist gerade aus palliativmedizinischer Sicht gelegentlich notwendig, implantierte Defibrillatoren zu deaktivieren und somit ein Sterben zu Hause zu ermöglichen, natürlich nicht ohne supportive Maßnahmen (gegebenenfalls Sedierung). Ein Abschalten sollte vor der Entlassung geplant und durchgeführt werden.

Im Artikel wird hierbei – wenn der ICD auch noch die Herzschrittmacherfunktion hat – von „aktiver Sterbehilfe“ gesprochen. Aktive Sterbehilfe ist definiert als Handlungen und Maßnahmen, die anstelle der tödlich verlaufenden Erkrankung den Tod beibringen. Diese ist in Deutschland nach StGB §216 verboten und wird mit Freiheitsstrafe geahndet.

Klar davon abzugrenzen ist die „passive Sterbehilfe“: Unterlassung oder der Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen (zum Beispiel Reanimation, Beatmung, Dialyse, Katecholamingabe). Hierbei gilt die Achtung des mündlich oder schriftlich geäußerten Patientenwillens. Bei nicht einwilligungsfähigen Patienten ist der „mutmaßliche Patientenwille“ unter Einbeziehung der Angehörigen oder eines rechtlichen Betreuers zu eruieren. Jede therapeutische Maßnahme darf und muss überdies beendet werden, sobald die medizinische Indikation nicht mehr gegeben ist oder der Patient (beziehungsweise der gesetzliche Vertreter) seine Einwilligung zurückzieht.

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Somit ist die Abschaltung eines ICD – mit oder ohne Schrittmacherfunktion – eine passive Sterbehilfe; somit in Deutschland weder moralisch, ethisch noch strafrechtlich relevant. Es wird lediglich der geänderte Patientenwille umgesetzt. Leider führt eine solch mangelhafte Kenntnis der grundlegenden Begriffe wie im oben genannten Artikel zu therapeutischen Fehlentscheidungen.

Dr. med. Johannes Bükki, Leitender Arzt,
Dr. med. Mark Braun, Stellvertretender Leitender Arzt,
SAPV-Team, Hospizdienst DaSein e.V., 80333 München

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