ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Defibrillatoren: Stets passive Sterbehilfe
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ICD „abschalten“ ist keine „aktive“ Sterbehilfe. Der zitierten Formulierung, dass das Deaktivieren eines ICD im Falle seiner zusätzlichen Funktion als Herzschrittmacher „aktive“ Sterbehilfe darstelle – und somit verboten sei, kann nicht gefolgt werden. Das Urteil des BGH in Sachen „Durchschneiden“ einer PEG vom 25. Juni 2010 (2 StR 454/09) hat klargestellt, dass auch ein „aktives Tun“ zum Beispiel durch Abschalten eine nicht mehr eingewilligte Behandlung beenden dürfe. Ein Leitsatz des Gerichts lautete: „Ein Behandlungsabbruch kann sowohl durch Unterlassen als auch durch aktives Tun vorgenommen werden.“ Also handelt es sich stets um „passive Sterbehilfe“, wenn ein ICD deaktiviert wird; sei es, weil er nicht mehr indiziert ist (zum Beispiel Sterbephase) oder weil in seine weitere Funktion nicht mehr eingewilligt wird. Ihn in solchen Situationen nicht zu deaktivieren, wäre Körperverletzung.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Frank Erbguth, Ärztlicher
Leiter der Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg Süd,
90471 Nürnberg

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