ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Frage der Woche an . . . Klaus-Werner Szesik, Kaufmännischer Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Klaus-Werner Szesik, Kaufmännischer Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn

Sie haben eine halbe Million Euro investiert, um ein digitales Informationssystem zu installieren. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten jetzt per Tablet mit Befunden, Diagnosen und Röntgenaufnahmen. Was versprechen Sie sich von der Digitalisierung?

Glöser, Sabine

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Foto: Mareen Fischinger
Foto: Mareen Fischinger

Sie haben eine halbe Million Euro investiert, um ein digitales Informationssystem zu installieren. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten jetzt per Tablet mit Befunden, Diagnosen und Röntgenaufnahmen. Was versprechen Sie sich von der Digitalisierung?

Szesik: Wir können dem anhaltenden Kostendruck im Gesundheitswesen nur begegnen, wenn Prozesse effizient und wirtschaftlich ausgerichtet sind. Ein großes Problem im deutschen Krankenhauswesen war bisher das „Aktensuchen“. Oft haben Assistenzärzte und Pflegekräfte, die nicht zeitgleich auf eine Akte zugreifen konnten, ihre Zeit unproduktiv mit dem Suchen von Papierakten verbracht oder damit, Patientenanforderungen und handgeschriebene Dokumentationen zu klären.

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Mit seinem Projekt begegnet das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn, ein Haus der Grund- und Regelversorgung mit 445 Betten und elf Fachabteilungen, diesem Problem. Ziel ist es, die Kosten zu reduzieren und die Qualität der Dokumentation zu steigern. Gemeinsam mit der IT-Abteilung und den medizinischen Fachabteilungen haben wir im Laufe von neun Monaten die mobile Visite eingeführt. Als Endgerät setzen wir iPad minies ein, die wir den Ärzten und dem Stationsdienstpersonal zur Verfügung gestellt haben. Die WLAN-Infrastruktur war bereits vorhanden. Als Wertschöpfungsansatz liegt unserem Modell der Lean-Hospital-Ansatz zugrunde. Wir wollen den Ressourcenaufwand so gering wie möglich halten und zugleich ein bestmögliches Ergebnis erzielen.

Im Ergebnis sprechen folgende Gründe dafür, eine digitalen Patientenakte mit mobilen Endgeräten einzuführen: Die Patientendaten sind gleichzeitig an mehreren Leistungsstellen verfügbar. Zudem verfügen wir jetzt über eine exakte und direkte Befunddokumentation. Auch wird der medizinische Dienst entlastet, weil das Aktensuchen nicht mehr notwendig ist und sich Doppeldokumentationen reduzieren. Weiterer Vorteil im Zusammenhang mit dem Zusatztool „AID-Klinik Arzneimittelinformationsdienst“: Die Medikationsanordnung ist eindeutig, woraus sich eine höhere Patientensicherheit ergibt.

In Bezug auf die Hygiene ergeben sich mit den eingesetzten Endgeräten eindeutige Vorteile gegenüber der Papierakte, da die iPad minies problemlos desinfizierbar sind. Dies war in der Vergangenheit bei der Papierakte nicht ohne Weiteres der Fall. In unserem Haus war insbesondere der Pflegedienst sehr angetan von der eingesetzten Lösung. Wir konnten auch die Akzeptanz im ärztlichen Dienst schnell steigern.

Für unser Haus ist entscheidend, dass Ärzte und Pflegekräfte durch diese Maßnahmen der Prozessoptimierung und Digitalisierung mehr Zeit für die Patientenversorgung haben. Damit sind wir unserem Ziel, ein prozessorganisatorisch und technologisch führendes Krankenhaus zu werden, einen großen Schritt nähergekommen. sg

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