ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Christiane Vulpius: Irrtümer
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Der Artikel . . . enthält eine Reihe von Irrtümern und Fehlern:

  • Die betreffende Person hieß Christiane von Goethe, geb. Vulpius und nicht „Christiane Vulpius Goethe“.
  • Das veröffentlichte Bild zeigt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Christiane von Goethe, sondern die Schauspielerin Friderike Vohs, geb. Portes. Es gibt durchaus Zeichnungen und Gemälde von der wirklichen Christiane.
  • Christiane von Goethe hat weder nachweislich an Hypertonus gelitten (der war damals noch gar nicht messbar) noch Schlaganfälle durchgemacht. Jedenfalls gibt es in der verfügbaren Literatur keine Hinweise dafür, die betreuenden Ärzte hatten keine neurologischen Schlaganfallfolgen gefunden, auch nicht der renommierte Jenaer Prof. Johann Christian Stark.
  • Symptome oder Anhaltspunkte für eine Urämie (Nierenversagen) sind in keinem der hinterlassenen Texte auffindbar. Von den hierfür typischen Symptomen – Durchfälle, unstillbares Erbrechen, vertiefter Atmung, penetrantem Uringeruch im Krankenzimmer, Wasseransammlung in der Haut (Gesicht, Beine) und zunehmender Apathie bis zum finalen Koma – ist nirgends die Rede.
  • Christiane von Goethe litt zunächst an vereinzelten, dann zunehmend häufigen generalisierten epileptischen Anfällen (großen Krampfanfällen) und starb schließlich im sogenannten Status epilepticus, also einem Zustand unaufhörlicher großer Anfälle, zwischen denen sie das Bewusstsein nicht mehr erlangte, sie also bis zum Tode tief bewusstlos blieb und deshalb auch gar nicht leiden konnte. Die Ursache ihrer Krampfanfälle ist nicht mehr klärbar, vielleicht war es ein Stirnhirntumor.

Diese Deutung geht sehr plausibel und für einen Neurologen unzweifelhaft aus den Tagebuchnotizen, Briefen, Zeugenaussagen und anderen verlässlichen Quellen hervor. Einzelheiten zu den gut dokumentierten Quellen findet man in meinem Buch: Roland Schiffter: Vom Leben, Leiden und Sterben in der Romantik. Neue Pathografien zur Romantischen Medizin. Königshausen und Neumann, Würzburg 2008, S. 57–90. Hier auch weitere Literaturhinweise . . .

Prof. Dr. med. Roland Schiffter, 12101 Berlin

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