ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Akuter ischämischer Schlaganfall: Weniger Behinderungen nach endovaskulärer Therapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akuter ischämischer Schlaganfall: Weniger Behinderungen nach endovaskulärer Therapie

Siegmund-Schultze, Nicola

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Nachdem einige frühere Studien keinen Vorteil für die endovaskuläre Therapie bei akutem Schlaganfall belegen konnten, wurden in letzter Zeit einige mit positivem Ergebnis publiziert, darunter die REVASCAT-Studie. 206 Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall sind prospektiv aufgenommen und randomisiert worden in eine Gruppe, die intravenös binnen 4,5 Stunden nach Symptombeginn Alteplase (Standardtherapie) erhielt plus Thromb-ektomie mit Stent-Retrievern oder lediglich die Standardbehandlung (Kontrollgruppe). Bei allen Patienten war mit bildgebenden Verfahren ein Verschluss proximaler Hirnarterien (intrakranielle A. carotis oder M1-Segment der mittleren Zerebral-arterie) nachgewiesen worden, und Alteplase hatte entweder keine Revaskularisation erzielt oder war kontraindiziert. Eine Thrombektomie musste binnen 8 Stunden nach Symptombeginn möglich sein.

Primärer Endpunkt war die Schwere der Behinderung, gemessen mit dem modifizierten Rankin-Scale-Score (0: keine Behinderung; 6: Tod) in 90 Tagen. Die Thrombektomie erhöhte den Anteil der Patienten, die ohne fremde Hilfe zurechtkamen (Score 0–2), signifikant: Einen maximalen Score von 2 auf der Rankin-Skala hatten 43,7 % der Patienten bei mechanischer Thrombusentfernung vs. 28,2 % im Kontrollarm (Odds Ratio: 2,1; 95-%-Konfidenzintervall: 1,1–4,0). Binnen 90 Tagen bekamen in beiden Gruppen 1,9 % eine symptomatische intrakranielle Blutung. Die Sterblichkeit betrug 18,4 % bei Thrombektomie und 15,5 % im Kontrollarm (Differenz n. s.).

Fazit: Bei Patienten mit akutem Schlaganfall durch Verschluss proximaler großer Hirngefäße gebe es nun endgültig Gewissheit, dass eine mechanische Rekanalisation mit Hilfe moderner Mikrostents effektiv sei und das Therapieergebnis im Vergleich zur medikamentösen Standardtherapie (Lyse) allein verbessere, kommentierte der Neuroradiologe Prof. Dr. med. Bernd Eckert von der Asklepios Klinik Hamburg Altona im Namen der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Aber auch hier sei der „Faktor Zeit“ von Bedeutung.

Die Therapie mit Stent-Retrievern werde nun in die europäischen Leitlinien eingehen, sagt Eckert. In Deutschland gelte es, Strukturen für diese Form der Intervention bei akutem Schlaganfall zu schaffen.

Dr. rer. nat Nicola Siegmund-Schultze

Jovin TG, Chamorro A, et al.: Thrombectomy within 8 hours after symptom onset in ischemic stroke. N Engl J Med 2015; 372: 2296–306.

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