ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2015Forschungsförderung: Universitäten unter Druck
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Die Finanzierung der Forschung an Universitäten ist oftmals nur noch mit Drittmitteln möglich. Bislang floss viel Fördergeld an die Medizinischen Fakultäten. Wie es weitergeht, wird unter anderem die nächste Runde der Exzellenzinitiative zeigen.

Foto: picture alliance
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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht die Universitäten in Deutschland unter erheblichem finanziellen Druck. 2014 konnte eine sehr hohe Nachfrage an Fördermitteln festgestellt werden, erklärte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek bei der Vorstellung des Jahresberichts im Juli in Berlin. „Die Universitäten sind strukturell erheblich unterfinanziert und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind fast schon gezwungen, ihr Heil in den Drittmitteln zu suchen“, so Dzwonnek. „Für eine solche grundständige Finanzierung von Forschung ist die DFG aber gar nicht gedacht.“

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Daher sieht die Forschungsgemeinschaft die deutliche Aufstockung der Grundfinanzierung der Hochschulen sowie die weitere Förderung der Spitzenforschung als zentrale Herausforderung für das Wissenschaftssystem in Deutschland. „Wissenschaft und Forschung haben in den letzten Jahren beträchtliche finanzielle Zuwächse erfahren. Umso mehr kommt es nun darauf dann, dass Politik und Wissenschaft gemeinsam die bemerkenswerten Erfolgsgeschichten fortschreiben“, sagte DFG-Präsident Prof. Dr. phil. Peter Strohschneider, der am 1. Juli von der Mitgliederversammlung der DFG für eine zweite Amtsperiode bis 2019 wiedergewählt wurde.

„Jetzt müssen Politik und Wissenschaft die Erfolgsgeschichte fortschreiben.“ Peter Strohschneider, DFG-Präsident. Foto: DFG Bildschön
„Jetzt müssen Politik und Wissenschaft die Erfolgsgeschichte fortschreiben.“ Peter Strohschneider, DFG-Präsident. Foto: DFG Bildschön

Exzellenzinitiative: Künftige Modalitäten noch offen

Strohschneider lenkte den Blick insbesondere auf die noch bis 2017 laufende Exzellenzinitiative: Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass Bund und Länder in einem Grundsatzbeschluss festgelegt haben, diese fortzuführen. Inzwischen haben auch die Regierungsfraktionen des Bundestages beschlossen, das Programm mit vier Milliarden Euro um weitere zehn Jahre zu verlängern. Bis zum nächsten Sommer sollen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz Vorschläge vorliegen, wie man die neue Förderperiode konkret ausgestalten könnte. Mit Nachdruck forderte Strohschneider eine „zügige und wissenschaftsgeleitete Ausgestaltung der neuen Bund-Länder-Initiative zur Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative“. Seine Kritik: Klar sei zwar, dass die Exzellenzinitiative weitergehe, aber nicht, wie. „Entscheidende Fragen sind weiter offen, etwa, wer sich überhaupt an einem neuen Wettbewerb beteiligen kann, welchen Kriterien dieser Wettbewerb folgt und welche Wissenschaftsfunktionen in ihm wie gefördert werden können“, bemängelte der DFG-Präsident.

Diese Problematik treibt auch die Medizinischen Fakultäten um. „Wir hoffen sehr, dass es jetzt zeitnah klare Vorstellungen über die Modalitäten der nächsten Exzellenzinitiative gibt, insbesondere bezüglich des zeitlicher Ablaufs und der Antragsformate“, sagte der Präsident der Medizinischen Fakultätentages (MFT), Prof Dr. rer. nat Heyo K. Kroemer, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Bei der letzten Exzellenzinitiative seien die Medizinischen Fakultäten stark vertreten gewesen und er gehe davon aus, dass auch diesmal großes Interesse besteht. „Die Medizinischen Fakultäten brauchen aber Planungssicherheit. Die derzeitige Unklarheit wirkt sich negativ auf die Forschung aus.“

Tendenz: Die Schaffung von „Leuchttürmen“

Heraushören lässt sich aus den Diskussionen derzeit jedoch, dass es der Politik offensichtlich zum einen um die „Profilierung von Exzellenzstandorten als weltweit führende Zentren der Spitzenforschung mit internationaler Ausstrahlung und Anziehungskraft“ geht, wie es in dem Grundsatzbeschluss heißt – also um die Schaffung von „Leuchttürmen“. Zum anderen sollen regionale Kooperationen gefördert werden, wie beispielsweise die zwischen der Hochschulmedizin und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Auch die DFG hat bereits Ideen für die künftige Exzellenzinitiative: Sie schlägt als neues Förderinstrument die Einrichtung von themen- und formatoffenen „Exzellenzzentren“ vor. Unterschiedlichste Maßnahmen der Universitäten zu ihrer Schwerpunktsetzung sowie zur Vernetzung und Kooperation sollen hier gefördert werden können. Dies würde auch die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses verbessern, meint sie. Das neue Förderinstrument könnte sowohl für bisher geförderte Exzellenzcluster als auch für neue Forschungsverbünde zugänglich sein. Die Medizinischen Fakultäten würden die Einrichtung der Zentren begrüßen: „Ich halte die Exzellenzzentren für ein kluges Instrument, das eine flexible Anpassung an Struktur und Größe des jeweiligen Themas erlaubt. Insoweit hoffe ich, dass sich die DFG hier durchsetzen kann“, sagte Kroemer auf Nachfrage.

Klinische Ausbildung mit Forschung kombinieren

Diese mögliche neue Form der Förderung der Spitzenforschung könnte nach Ansicht der DFG mit einer besseren Förderung und Betreuung jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden werden, ebenfalls in der Medizin. Auch Kroemer kann sich dies vorstellen – wenn die Ausschreibung entsprechend erfolge. „In der Medizin müssen wir Formate finden, bei denen die klinische Ausbildung mit Forschungsaktivitäten kombinierbar ist. Im Moment bedroht jedoch der immer stärker werdende wirtschaftliche Druck in der Krankenversorgung dieses Modell und gefährdet die wissenschaftliche Ausbildung einer ganzen Ärztegeneration“, warnte er.

Verknüpft mit der Diskussion um die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative diskutiert die DFG derzeit auch den künftigen Zuschnitt ihres Förderportfolios. „Wir fragen uns, ob unser Förderangebot offen und flexibel genug ist, um den Belangen der Antragstellerinnen und Antragsteller bestmöglich entsprechen zu können“, erklärte Strohschneider. Auch sei das Förderangebot über Jahrzehnte ausgebaut worden. Das lasse sich nicht unbegrenzt fortsetzen. Strohschneider stellte deshalb eine Systematik vor, die fünf sogenannte „Förderräume“ benennt. Ihr zufolge könnten Personen sowohl eine personenorientierte Förderung als auch eine forschungsthemenorientierte Förderung als auch eine maßnahmenorientierte Förderung beantragen. Universitäten könnten sich sowohl forschungsthemenorientiert als auch maßnahmenorientiert fördern lassen.

Nach wie vor ist die DFG
die größte Forschungsorganisation zur Vergabe von Drittmitteln in Deutschland. Nach eigenen Angaben wurden im Jahr 2014 fast 30 000 Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 2,73 Milliarden Euro gefördert. Darunter sind rund 6 900 Projekte, die 2014 neu bewilligt und mit 1,54 Milliarden Euro gefördert wurden. Schwerpunkt der Arbeit der DFG ist weiterhin die Einzelförderung von Forschern – 2014 wurden rund 14 000 Projekte unterstützt, die insgesamt 835 Millionen Euro erhalten haben.

DFG-Förderung: Medizinische Forschung liegt vorn

Dabei nehmen die Vorhaben in der medizinischen Forschung das größte Finanzvolumen in Anspruch. Mit Projekten in einem Wert von 475,5 Millionen Euro im Jahr 2014 liegt das Fach an der Spitze. Darunter sind laut DFG-Statistik 3 129 Einzelförderungen, für die im Jahr 2014 187,2 Millionen Euro bewilligt wurden. Dabei entfielen 152 Millionen Euro auf Sachbeihilfen, 6,1 Millionen auf Forschungsstipendien. In den 32 Projekten, die in der Statistik als Klinische Studien ausgewiesen sind, wurden 6,7 Millionen Euro bewilligt.

Zwischen 2008 und 2014 gab es im Bereich der „Lebenswissenschaften“ – unter diesen Begriff fasst die DFG die medizinische Forschung – einen Anstieg um 25 Prozentpunkte der Projektneuanträge. 2014 flossen in die Lebenswissenschaften über 763,1 Millionen Euro, das sind 38,5 Prozent der Bewilligungen des gesamten Jahres. Zu den Lebenswissenschaften zählt die DFG auch die Tiermedizin, Biologie, die Agrar- und Forstwissenschaften sowie den Gartenbau. Auf Platz zwei hinter den Lebenswissenschaften stehen die Naturwissenschaften, die mit 464 Millionen Euro gefördert wurden.

Eine detailreichere Analyse zur mit Drittmitteln geförderten Forschung will die DFG im Herbst vorstellen. Dann erscheint der neue „Förderatlas“, den die Gesellschaft alle drei Jahre veröffentlicht.

Rebecca Beerheide
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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