POLITIK

Terminservicestellen für Facharzttermine: Mehr Koordination, mehr Zeit

PP 14, Ausgabe August 2015, Seite 347

Rieser, Sabine

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Brauchen Patienten Hilfe bei Facharztterminen? Oder drängeln die Falschen? Die Meinungen gehen bei den Ärzten auseinander.

Dr. med. Ute Bayer hat nicht nur eine Meinung zu Terminservicestellen, sondern auch Erfahrung damit. Drei-, viermal habe bislang „eine Mitarbeiterin der Terminservicestelle angerufen und wegen eines freien Termins nachgefragt“, erzählt die Leipziger Radiologin, die in einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis tätig ist. „In allen Fällen bekam der Patient einen Termin innerhalb von vier Wochen.“

Sachsen startete Ende 2014

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen hat Ende 2014 etwas getan, wofür es viel Kritik, aber auch Lob gab: Sie hat eine telefonische Vermittlung für Patienten auf der Suche nach einem Facharzttermin eingerichtet. Anrufern hilft sie aber nur weiter, sofern ihr Arzt die Dringlichkeit einer Terminvergabe innerhalb von vier Wochen bescheinigt hat. Hausärzte, die derart gezielt überweisen, erhalten einen Honorarzuschlag, ebenso wie Fachärzte, die zusätzlich Patienten annehmen. Die Krankenkassen stellen dafür bis Ende 2015 rund zwölf Millionen Euro bereit. Bis zum 31. Mai hatten sich 1 270 Anrufer an die Vermittlung gewandt, 1 077 erfüllten die Vorbedingungen. Von diesen bekamen 712 innerhalb von vier Wochen einen Termin, 270 danach.

„Wenn ein Kollege einen Patienten vor sich sitzen hat, für den umgehend eine Diagnostik erfolgen muss, dann greift er zum Telefon“, betont Bayer. Jüngere Patienten telefonierten zudem selbst herum, um einen schnellen Termin zu bekommen. Die Servicestelle befürwortet sie trotzdem, denn: „Patienten in Notsituationen, die nicht so umsichtig sind, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus Altersgründen, kann man so sicher helfen.“

„Ich halte Servicestellen für Bürokratiemonster, die unnötig Geld verschlingen“, findet hingegen Dr. med. Jens Schweizer. Der niedergelassene Gynäkologe verweist darauf, dass sie einmalig Einrichtungskosten zwischen 13 und 20 Millionen Euro erfordern werden sowie jährlich zwischen 16,5 und 20 Millionen Euro. Dass Krankenkassen die ambulante Versorgung nicht besser bezahlen, aber mehr Honorar für Kollegen bereitstellen, die noch Patienten annehmen, kann er nicht nachvollziehen. Und wenn eine Behandlung wirklich dringend sei, bekomme man doch rasch einen Termin beim Kollegen. Schweizer ärgert, wie häufig Termine verfallen. Seine Umfrage unter gynäkologischen Kollegen habe ergeben, dass Patientinnen im Durchschnitt 60 Termine im Monat nicht wahrnehmen und nicht absagen: „Sonst hätten wir auch mehr Luft, Patientinnen mit Beschwerden noch schneller dranzunehmen.“

Roland Sporleder hält Terminservicestellen ebenfalls für überflüssig; „Das würde nur wieder mehr Verwaltungsaufwand bedeuten, ohne dass der Mangel reduziert wird.“ Der niedergelassene Neurologe trennt zwischen einer langfristigen Terminvergabe für Routinekontrollen und für Patienten mit nicht dringlichen Krankheitsbildern sowie kurzfristigen Terminen. Die bekommen auch Patienten mit einer Überweisung nur, wenn darauf die Dringlichkeit klargestellt wird.

Es fehlt eine KV SafeApp

„Eigentlich bräuchten wir eine ärztlich geführte Koordination der Facharzt-Konsultationswünsche“, sagt Sporleder. „Ein kollegiales Gespräch über die Notwendigkeit einer Mitbehandlung ist wahrscheinlich durch nichts zu ersetzen.“ Doch dafür fehle die Zeit in vollen Praxen – und simple Technik. „KV SafeApp, ein sicheres WhatsApp für Ärzte – das wäre es.“

Sabine Rieser

@Ausführliche Interviews mit den drei Ärzten: www.aerzteblatt.de/vsg2015

DAS STEHT IM Gesetz

  • Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen Terminservicestellen einrichten. Grundsätzlich ist auch die Einführung eines elektronisch gestützten Wartezeitenmanagements möglich.
  • Für Psychotherapie-Termine gilt die Neuregelung spätestens ab 2017.
  • Für den vermittelten Facharzttermin darf eine Wartezeit von vier Wochen nicht überschritten werden. Gelingt die Vermittlung nicht, muss die Servicestelle einen Termin in einem Krankenhaus anbieten (Ausnahme: Psychotherapie-Termine).
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