ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2015Psychotherapie: Konsiliarberichte ernst nehmen
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Beim deutschen Ärztetag in Frankfurt wurde verlangt: „Die Psychologischen Psychotherapeuten müssten daher weiterhin zu einer ärztlichen Konsultation verpflichtet sein, um die Diagnostik und medizinischen Aspekte zu komplementieren.“ Zum einen kommt mir die Frage, wann endlich Ärzte die Psychologischen Psychotherapeuten (PP) konsultieren müssen, um ihrerseits ihre Defizite in Diagnostik und psychologischen Aspekten zu komplementieren. Zum anderen kommt mir die Qualität der von Ärzten ausgestellten Konsiliarberichte in den Sinn. Diese Berichte müssen obligatorisch von uns PP eingeholt werden, wenn eine Therapie beantragt wird, weil wir ja keine Ahnung von somatisch-medizinischen Aspekten haben. Was dann da abgeliefert wird, spottet allerdings jeder Beschreibung. In meiner nun 16-jährigen Tätigkeit im System der kassenärztlichen Versorgung habe ich vielleicht zehn Konsiliarberichte erhalten, die diesen Namen auch verdienen. Normalerweise stehen dort drei bis fünf Worte, meist abgeschrieben von der Überweisung zum Konsil, die ich selbst notiert hatte. Selbst ausdrückliche Bitten um somatische Befunde zum Beispiel bei Somatisierungsstörungen oder bei der Abklärung von Schilddrüsenfehlfunktionen bei Angst- und affektiven Störungen werden einfach ignoriert. Es wurden auch schon leere Berichtsformulare zurückgeschickt, lediglich abgestempelt und unterschrieben. Auf meine Bitte nach Inhalt, unter anderem weil ein Gutachter den mangelhaften Bericht anmahnen könnte (was auch schon passiert ist), wurde ich auch schon mal beschimpft oder informiert, der Arzt sei nicht verpflichtet, Auskunft zu erteilen.

Wenn ich das alles noch als durchaus verständliche Reaktion der ärztlichen Kollegen auf ein unsinniges Prozedere betrachte, bin ich ja noch ruhig. Wenn aber von Ärztefunktionären suggeriert wird, dass wir PP wegen mangelnder Kompetenz unseren Patienten und wohl auch der Volkswirtschaft schaden, während den praktizierenden Ärzten dieses Wohl wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft egal zu sein scheint, dann setzt was bei mir aus.

Ich wünsche mir von den Ärztevertretungen, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Konsiliarberichte ernst genommen und ordentlich erledigt werden oder aber, dass die Konsequenzen gezogen werden und das Konsiliarberichtsverfahren aus Gründen der Entbürokratisierung und der Kostenersparnis abgeschafft wird.

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Jörg Stolley-Mohr, 91227 Diepersdorf

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