ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2015Suizidprävention: Frühzeitige Hilfen

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Suizidprävention: Frühzeitige Hilfen

Bühring, Petra

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Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, die Suizidprävention zu verbessen.

Mehr als 10 000 Menschen starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2013 in Deutschland durch Suizid, weit mehr als 100 000 Menschen unternahmen einen Suizidversuch. „Rund 65 bis 90 Prozent aller Suizidversuche sind im Kontext einer psychischen Erkrankung zu sehen und könnten mit mehr Hilfe vermieden werden“, betonte Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Ihre Partei legte deshalb einen Antrag (18/5104) vor, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Suizidprävention zu verbessern und Menschen in Krisen zu unterstützen.

Die Statistik besagt, dass die Suizidrate bei Männern grundsätzlich höher ist als bei Frauen: 2013 lag sie bei 74 Prozent versus 26 Prozent. Das Suizidrisiko steigt bei beiden Geschlechtern mit dem Lebensalter. Rund 30 Prozent aller statistisch erfassten Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt, überwiegend von Männern. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die an Depressionen leiden, somatisch Kranke mit Schmerzen und fehlender Heilungsaussicht sowie Alkohol- und Drogenabhängige. Auch bei jungen Lesben und Schwulen zwischen zwölf und 25 Jahren ist das Suizidrisiko vier- bis siebenmal höher als das Gleichaltriger. Gefährdet sind darüber hinaus Menschen mittleren Alters in finanziellen Krisen.

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Um dem vorzubeugen, sollten nach Vorstellung der Grünen niedrigschwellige Hilfen wie Telefonseelsorge, Kriseninterventionen und psychologische Hilfsdienste ausgebaut und stärker als bisher finanziell unterstützt werden. Psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe sollten frühzeitig in Anspruch genommen werden können. „Die langen Wartezeiten sind kontraproduktiv, und die Änderungen durch das GKV-Versorgungsstrukturgesetz (VSG) werden nicht ausreichen“, glaubt Klein-Schmeink. Insbesondere für hochbetagte Menschen sollte eine aufsuchende psychotherapeutische Versorgung in der Wohnung oder im Pflegeheim ermöglicht werden. Und es müsse darauf hingewirkt werden, dass deren Depressionen rechtzeitig erkannt werden. Spontane Suizide könnten verringert werden, wenn der Zugang zu Waffen und bestimmten Arzneimitteln eingeschränkt würde.

Der Antrag der Grünen wurde am 2. Juli im Bundestag kontrovers diskutiert. „Wir müssen uns auch die Grenzen einer Suizidprävention bewusst machen. Wenn der Entschluss einmal gereift ist, ist es eine Illusion zu glauben, wir könnten alle Mittel und Wege beseitigen“, sagte Rainer Maier, CDU/CSU-Fraktion. Der Vorstoß werde dem komplexen Thema nicht gerecht. Der stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Dr. med. Rudolf Henke (CDU/CSU), wies darauf hin, dass die Suizidrate seit Jahren kontinuierlich abnehme: Anfang der 80er Jahre habe sie noch bei 19 000 Suiziden gelegen. „Es ist nicht so, dass die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, erfolglos arbeiten“, betonte er. Dirk Heidenblut, SPD-Fraktion, begrüßte den Antrag und zeigte sich überzeugt, dass das Versorgungsstärkungsgesetz Verbesserungen für die psychotherapeutische Versorgung schaffen werde. Über eine aufsuchende Therapie für Hochbetagte sollte noch diskutiert werden. Der Bundestagsantrag wurde an die Fachausschüsse überwiesen.

Petra Bühring

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