ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2015Private Kran­ken­ver­siche­rung: Quo vadis, PKV?

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Quo vadis, PKV?

Osterloh, Falk

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Die private Kran­ken­ver­siche­rung befindet sich im Umbruch. Während die Zahl der Vollversicherungen sinkt, werden mehr Zusatzversicherungen abgeschlossen. Vor allem Pflegezusatzversicherungen befinden sich im Aufwind.

Jahrelang stieg die Anzahl der Vollversicherten in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) an. Seit 2012 hingegen ist die Entwicklung gegenläufig (siehe Grafik). Von einem Trend möchte der PKV-Verband jedoch nicht sprechen. Es handele sich lediglich um „Sondereffekte“, die zum Teil hausgemacht seien, erklärte der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Uwe Laue, vor kurzem anlässlich der PKV-Jahrestagung in Berlin. Damit meinte er vor allem die sogenannten Billigtarife, die viele private Krankenversicherer über Jahre angeboten hatten und die nicht zuletzt für den Anstieg der Vollversicherungen in den Vorjahren verantwortlich waren.

Anzahl der Vollversicherten in der PKV zum jeweiligen Jahresende
Grafik
Anzahl der Vollversicherten in der PKV zum jeweiligen Jahresende
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Gute Konjunktur lässt Zahl der Vollversicherungen sinken

Da sich die Branche vor einigen Jahren darauf verständigt habe, keine Billigtarife mehr anzubieten, seien bei einigen Unternehmen Versicherungsverhältnisse weggebrochen, erklärte Laue. Zudem habe die Zahl der sozial­ver­sicherungs­pflichtig Beschäftigten 2014 einen historischen Höchststand erreicht. „Deshalb fiel zwangsläufig auch der Wechsel von Versicherten in die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung besonders hoch aus“, sagte der PKV-Vorsitzende. So sei die Zahl der sozialversicherten Arbeitnehmer gegenüber dem Vorjahr um 424 000 Personen angestiegen, wohingegen die Zahl der Selbstständigen um 52 000 gesunken sei.

Der frühere PKV-Ombudsmann Arno Surminski nannte in der „Zeitschrift für Versicherungswesen“ weitere Gründe für die schwindende Zahl der Vollversicherungen, „so die abklingende Finanzkrise mit ihrem Niedrigzinsniveau und eine kritische Berichterstattung in den Medien und der Verbraucherschützer über die Branche PKV“. Darüber hinaus sei knapp die Hälfte aller Vollversicherten beihilfeberechtigt. Zum Beispiel Beamte und Richter erhalten mit der Beihilfe vom Staat einen Zuschuss zu ihrer Kran­ken­ver­siche­rung. Deren Vollversicherungen seien in Wahrheit Zusatzversicherungen zum Beihilfeanspruch, schrieb Surminski. So gesehen sei die PKV heute schon überwiegend ein Zusatzversicherer.

Auch der PKV-Verband betont, dass sich der Abschluss von Zusatzversicherungen positiv entwickelt. Denn diese hätten im Jahr 2014 einen Zuwachs um 1,7 Prozent auf 23,93 Millionen verzeichnet. „Besonders stark war das Wachstum in der Pflegezusatzversicherung“, so Laue. „Insgesamt gibt es nun über drei Millionen Verträge.“

Die Zukunft der PKV sind die Zusatzversicherungen

Die Zahl der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherungen, der sogenannte Pflege-Bahr, sei dabei um 56 Prozent auf 549 900 Verträge angestiegen und die Zahl der ungeförderten Pflegezusatzpolicen um fünf Prozent auf 2,46 Millionen. „Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass die PKV sich immer stärker in der Ergänzung und Aufstockung des Versicherungsschutzes für GKV-Versicherte engagieren muss, um noch Wachstum zu erzielen“, mutmaßte Surminski.

Ziel der privaten Versicherer ist es dennoch, die Entwicklung umzukehren. Der Marktführer Debeka zahlt seinen Versicherten dafür Überschüsse zum Beispiel in Form von Beitragsrückerstattungen oder Beitragslimitierungen aus. Und die Central Kran­ken­ver­siche­rung AG, die in den vergangenen Jahren zahlreiche Versicherte verloren hat, will zeitgemäßer werden. „Wir bieten unseren Kunden inzwischen an, Rechnungen per Foto-App einzureichen, Abrechnungen per ePost zu erhalten und die Leistungsabrechnung mit Hilfe eines individuellen Films erklärt zu bekommen“, erklärte die Central. Aktuell stünden zwar betriebliche und Zusatzversicherungen in der Konjunktur etwas höher. Aber „wir sind überzeugt, dass auch Vollversicherungen wieder stärker gefragt sein werden“.

Falk Osterloh

Anzahl der Vollversicherten in der PKV zum jeweiligen Jahresende
Grafik
Anzahl der Vollversicherten in der PKV zum jeweiligen Jahresende

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