BÜCHER

Paarbeziehungen im Alter: Mehr intime Wünsche äußern

PP 14, Ausgabe August 2015, Seite 378

Moser, Tilmann

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Mit einem interessanten Satz charakterisiert die Psycho- und Sexualtherapeutin einen Teil ihrer zahlreichen Klientel: „Von ,lustlosen‘ Paaren höre ich immer wieder, die Beziehung sei eigentlich so gut, so harmonisch, wenn nur nicht das sexuelle Problem wäre.“ Das kann resigniert klingen, entnervt oder ambivalent zufrieden. Nun, die Spezialistin weiß in einem kleinen Ratgeber mancherlei Abhilfe. Der wichtigste Rat heißt: „Offene Gespräche“, aber die sind oft angstbesetzt, und ein Neuanfang erfordert Mut und die Überwindung von Scham. Inzwischen gibt es einen Haufen Bücher über gute Ehe und guten Sex, und auch die Illustrierten sind voll von Analysen und Bekenntnissen, auch über „Paarbeziehungen im Alter“.

Man könnte das Buch „Amor altert nicht“ einen Kurzlehrgang nennen, aber nicht trocken, sondern durch Fallbeispiele angereichert. Der besondere Reiz: Elisabeth Drimalla scheint die meisten seriösen Werke gelesen zu haben und kann sie kundig weiterempfehlen. Aber damit nicht genug: Die Autorin scheint auch literarisch sehr bewandert zu sein, denn sie empfiehlt liebevoll viele Romane, in denen typische Liebesprobleme alternder Schriftsteller verhandelt werden, die ihr autobiografisches oder erfundenes Seelen- und Sexleben gut lesbar offenlegen.

Einige Standardrezepte der Autorin: Den anderen öfter loben als kritisieren – ganz allgemein. Spezieller: Mehr intime Wünsche äußern, als wortlos und verschämt deren Erfüllung erhoffen und in Kränkung versinken, wenn sie nicht erfüllt werden. Sehr wichtig und bewährt die Frage: „Erinnerst du dich an unsere Anfänge? Wie wir uns kennengelernt haben? Der erste und die frühen Eindrücke? Schwieriger zu beantworten: Was haben wir erwartet, erhofft und erträumt voneinander? Da ist oft schon schwierige Geständnisarbeit nötig. Aber der Lohn ist ein besseres Verstehen, ja ein schrittweises Neu-Kennenlernen.

Drimalla zählt die lastenden Mythen auf, die gelungene Sexualität erschweren und Leistungsdruck oder Angst erzeugen können, und sie kommentiert sie. Hilfreich auch der Anhang: die Wahrnehmungs- und Berührungsübungen, die Aufgabe, einen Partnerfragebogen auszufüllen, über wichtige Freuden und Schmerzen und die lange Verlaufsgeschichte der Begegnungen, und Kurzanleitungen für die schwierigen, aber lohnenden Gespräche, ohne die sie herbe Gefahren sieht, nicht zuletzt für die häufigen Erektionsstörungen, deren Ursachen und Remedien, von der Psychotherapie bis zu den inzwischen preiswerten Nachfolgeprodukten für Viagra, die im Alter für Männer immer wichtiger werden können. „Viele Paare geraten leicht in einen Teufelskreis aus Erektionsstörungen, Angst, Versagen, Vermeidung und Rückzug. Dieser Teufelskreis entsteht für Paare oft ganz unbemerkt, weil die Signale des anderen falsch gedeutet werden.“ Nicht umsonst zitiert sie am Schluss den Kenner Ovid: „Liebe ist nichts für Feiglinge.“ Tilmann Moser

Elisabeth Drimalla: Amor altert nicht. Paarbeziehungen und Sexualität im Alter. Vanden- hoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, 136 Seiten, kartoniert, 14,99 Euro

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