KULTURTIPPS

Grafiken im Wallraf-Richartz-Museum, Köln: Faszination eines Mythos

PP 14, Ausgabe August 2015, U3

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Meister mit dem Würfel, Psyche entdeckt die wahre Identität ihres Liebhabers, um 1532, Kupferstich (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud)
Meister mit dem Würfel, Psyche entdeckt die wahre Identität ihres Liebhabers, um 1532, Kupferstich (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud)

Die Ausstellung „Amor & Psyche – Über das Begehren“ erzählt die Geschichte einer unheilvollen Liebe.

Die Liebesgeschichte von Amor und Psyche gehört zu den beliebtesten Motiven der italienischen Kunst des 16. Jahrhunderts wie zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Drucke noch heute beweisen. Ihren künstlerischen Höhepunkt fand die entflammte Leidenschaft Amors zur bildschönen Psyche in der Ausgestaltung der römischen Villa Farnesina unter der Leitung des großen Malers Raffael. Der Faszination des antiken Mythos spürt das Museum Wallraf nun in einer eigenen Ausstellung im Graphischen Kabinett nach. Sie versammelt rund dreißig bekannte graphische Blätter von italienischen und niederländischen Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts.

In der antiken Sage des Schriftstellers Apuleius klingt die Liebesgeschichte folgendermaßen: Venus, Göttin der Schönheit, schickt ihren Sohn Amor auf die Erde, um die Königstochter Psyche zu bestrafen, deren Verbrechen darin besteht, dass alle Männer sie wegen ihrer Schönheit anbeten. Amor soll mit einem Pfeilschuss dafür sorgen, dass sich Psyche in den hässlichsten Mann verliebt. Doch stattdessen verliebt er sich selbst in sie. Bevor Psyche einem Ungeheuer als Braut geopfert wird, lässt er sie in sein Schlafzimmer entführen. Sie lieben sich Nacht für Nacht, doch Psyche darf ihren Geliebten dabei nicht ansehen. Das Objekt der Begierde bleibt für sie im Verborgenen. Liebe und Leidenschaft existierten völlig unabhängig voneinander. Als sie schwanger wird, reden ihr neidische Schwestern ein, dass ihr Liebhaber ein Schlangenmonster sei, das ihr Kind fressen will. In der folgenden Nacht schleicht Psyche mit einem Messer in das Zimmer, erleuchtet es, erblickt Amor und verliebt sich sofort in ihn.

Beim großen Meister Raffael ist nur noch das glückliche Ende des antiken Dramas zu sehen: Psyche wird in den Olymp unter die Unsterblichen aufgenommen und darf Amor heiraten. Perino del Vaga jedoch, dessen Entwürfe der namentlich nicht bekannte „Meister mit dem Würfel“ in Kupfer stach, faszinierten die Irrungen, Wirrungen und Abgründe des menschlichen Begehrens mehr als das glückliche Ende. Ebenso ging es den anderen Künstlern, die in dieser originellen Ausstellung im Graphischen Kabinett zu sehen sind. Petra Bühring

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige