BÜCHER

Ausbildungsforschung: Wichtige Anregung zur Kompetenzentwicklung

PP 14, Ausgabe August 2015, Seite 380

Walz-Pawlita, Susanne

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Die Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin Dr. Jutta Kahl-Popp, Dozentin und Trägerin des „Analytic Training Today“-Award der International Psychoanalytic Association (IPA), meldet sich erneut mit einer Arbeit zur Validierung einer an den subjektiven Lernerfahrungen orientierten Ausbildung zu Wort.

In einer ersten Pilotstudie am Anfang des Bandes untersucht sie mittels der Interaktions-Evaluations-Analyse (IEA) den Rückblick von zwei neu approbierten Kolleginnen (eine Psychoanalytikerin und eine Verhaltenstherapeutin) auf ihre Ausbildung. Die Autorin führte jeweils zwei 50-minütige Forschungsdialoge im Abstand von maximal einer Woche mit der Frage nach der Entwicklung von Kompetenzen in ihrer Ausbildung. Die zwischen den Gesprächen liegenden Träume, Erinnerungen und Erkenntnisse wurden als relevantes unbewusstes Material für die subjektive Erfahrung der Ausbildung gewertet.

Im zweiten Teil der Arbeit stellt Kahl-Popp die IEA als qualitatives Forschungsinstrument im Vergleich zur Konversationsanalyse und der Dialog-Sequenzanalyse am Beispiel eines zufällig ausgewählten Stundenprotokolls der Patientin Amalie X aus der Ulmer Forschungswerkstatt vor. Dabei verweist sie auf die Notwendigkeit, alle drei Forschungsansätze miteinander zu kombinieren und ihre Ergebnisse wechselseitiger Evaluation zu unterwerfen, um für die Ausbildungs-/Supervisionsforschung fruchtbar sein zu können.

Die IEA wird dann in „Triaden“ (Stundenprotokoll eins – Supervisionsprotokoll eins – Stundenprotokoll zwei) aus verschiedenen Patienten-Behandler-Supervisor-Triaden als geeignetes Forschungsparadigma für die mikroskopisch genaue Untersuchung supervisorischer Lernprozesse und deren Wirkung auf die jeweiligen Patientenbehandlungen vorgestellt. Damit betritt Kahl-Popp forschungsmethodisches Neuland, das nicht nur für den Bereich der Ausbildungs-/Kompetenzforschung, sondern auch für die gesamte Forschung klinischer Praxis von hoher Bedeutung sein kann. Als Impulsgeber für weitere wissenschaftliche Untersuchungen, aber auch als Beleg für die Notwendigkeit, in den Ausbildungen gesteigerte Aufmerksamkeit auf hoch persönliche und subjektive Lernerfahrungen zu legen, ist dieses Buch eine wichtige Anregung: Die im Schulendialog immer wieder bestrittene Infragestellung von Selbsterfahrung und Supervision könnte durch diesen Ansatz auf der Ebene von Mikroprozessen neue Formen der Evaluierung persönlicher professioneller Kompetenzentwicklung ermöglichen. Susanne Walz-Pawlita

Jutta Kahl-Popp: Das Gefühl, Gestalt anzunehmen. Brandes & Apsel, Frankfurt 2015, 208 Seiten, kartoniert, 24,80 Euro

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