ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2015Humor in der Psychotherapie: Für den erfahrenen Therapeuten

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Humor in der Psychotherapie: Für den erfahrenen Therapeuten

Moser, Tilmann

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„Witzbücher oder ähnliche Ratgeber für Therapeuten verfehlen ein tieferes Ziel, denn wichtiger als das Lachen selbst ist, mit wem, wann und wie man lacht.“ Trotzdem ist Fabians Buch über Humor in der Psychotherapie durch die Überfülle der zitierten Witze fast ein halbes Witzbuch geworden, ohne dass sie die bierernste Lektüre wirklich aufhellen. Man sieht vor sich beinahe zwei Zettelkästen, aus denen der Autor schöpft: aus unendlicher Fülle von Zitaten aus der Literatur und aus unendlich vielen Witzen, die zu verlockend erscheinen, um damit nicht viele Seiten zu füllen. Viele sollte laut Fabian ein Therapeut allerdings kennen, weil sie die Atmosphäre lockern und Nähe schaffen können.

Da aber viele Patienten Humor und Ironie gar nicht verstehen können – aus Spracharmut oder frühen Verletzungen durch kränkende Ironie, gehört Humor nur in die Hand oder den Mund des „erfahrenen“ Therapeuten, der fähig ist, seine Gegenübertragung zu prüfen, bevor er zuschlägt. Deshalb enthält das Buch eine Fülle von Warnungen an „Unerfahrene“ vor den Gefahren, und manche Seiten sind überfüllt mit Warnungen aus „soll, muss, darf, darf nicht“, was richtig ist: Viele Patienten kommen schon traumatisiert in Therapie, weil Eltern, Lehrer und Geschwister Humor missbraucht haben zu schwer durchschaubarer Aggression, die lange oder für immer verletzend war.

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Fabians Abhandlung ist klug und gelehrt, aber das umfassende Ausmaß der Zitate ermüdet. Sehr hilfreich ist die Würdigung der Selbstironie des Therapeuten, sie hilft gegen eine allzu verfestigte Idealisierung des Therapeuten. Wenn der Patient gegen Ende der Analyse selbst zu Ironie und Selbstironie fähig geworden ist, darf man sich gratulieren zu dessen Reifung. Aber davor gilt es für den Therapeuten, seine Gegenübertragung gründlich zu prüfen, aus der heraus er es mit Humor und Ironie versucht: Bei gereizt machender Stagnation der Analyse kann die Gefahr einer unkontrollierten ironischen Entlastung bestehen, und der gekränkte Rückzug des Patienten macht die Situation noch verfahrener. Tilmann Moser

Egon Fabian: Humor und seine Bedeutung für die Psychotherapie. Psychosozial-Verlag, Gießen 2015, 131 Seiten, kartoniert, 16,90 Euro

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