ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2015Betriebliche Maßnahmen zur Prävention
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Burkhardt und Pankow weisen zu recht auf die späte Diagnosestellung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) in der ärztlichen Praxis hin (1), diskutieren aber leider nicht die Möglichkeiten und Ergebnisse betrieblicher Maßnahmen zur Früherkennung beziehungsweise Prävention. Eine retrospektive Auswertung einer COPD-Früherkennungsaktion in einem Großbetrieb der Entsorgungsbranche analysierte COPD-Fragebögen und Lungenfunktionsprüfungen von 645 freiwilligen Teilnehmern statistisch unter arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten (2). Bereits bei Überprüfung der Fragebogenangaben wurde deutlich, dass bei Aktivrauchern „regelmäßiger Husten mit oder ohne Auswurf“ als Krankheitssymptom nicht bewusst wahrgenommen wurde oder schon als Normalzustand umdefiniert worden war. Eine solche subjektive Fehleinschätzung trägt erheblich zur verspäteten Diagnostik auch in einer Allgemeinpraxis bei. Die zitierten 50 % nichtdiagnostizierter COPD-Patienten in Hausarztpraxen dürften daher eher auf eine Unterschätzung des COPD-Problems hinweisen.

Keine eindeutigen Anzeichen ergaben sich hingegen für eine Häufung von COPD-Verdachtserkrankungen in Arbeitsbereichen mit besonderen Staubexpositionen wie der Abfallentsorgung. Analog zur Allgemeinbevölkerung standen vielmehr individuelle Merkmale wie aktiver Rauchstatus, Geschlecht und Alter im Vordergrund. Der hohe Raucheranteil (42 %) im Gesamtkollektiv wurde mit mehr als 90 % Rauchern unter den als „COPD-verdächtig“ identifizierten Mitarbeitern deutlich übertroffen.

Die gute Inanspruchnahme solcher Gesundheitsaktionen durch Betriebsangehörige aus allen Bereichen unterstreicht die Vorteile eines nicht mit Krankheit assoziierten Umfeldes und kann dazu beitragen, eine späte Diagnosestellung zu vermeiden. Das betriebliche Setting bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu einer präventiven (arbeits-)medizinischen Diagnostik beim Betriebsarzt gegenüber dem notwendigen aktiven Aufsuchen einer Hausarztpraxis. Informationen über potenzielle COPD-Patienten in einem Betrieb ermöglichen nicht nur eine zielgerichtete Gefährdungsbeurteilung sowie die Einleitung notwendiger arbeitsplatzbezogener Schutzmaßnahmen, sondern geben auch Gelegenheit für die wichtigste individuelle Präventionsmaßnahme der COPD: Nichtraucher- und Nikotinentwöhnungsprogramme.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0561b

Dr. med. Stefanie Seele
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR),
Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, Berlin
stefanie.seele@bsr.de

PD Dr. med. Dr. med. habil. M. Spallek
Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin
Zentrum der Gesundheitswissenschaften
Goethe Universität, Frankfurt/Main
spallek@med.uni-frankfurt.de

1.
Burkhardt R, Pankow W: The diagnosis of chronic obstructive pulmonary disease. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 834–46 VOLLTEXT
2.
Seele S, Groneberg DA, Spallek M: Feasability of prevention of work-related chronic obstructive pulmonary disease (COPD) in a large waste disposal firm. Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2014; 49: 603–11.
1.Burkhardt R, Pankow W: The diagnosis of chronic obstructive pulmonary disease. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 834–46 VOLLTEXT
2.Seele S, Groneberg DA, Spallek M: Feasability of prevention of work-related chronic obstructive pulmonary disease (COPD) in a large waste disposal firm. Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2014; 49: 603–11.

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