ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2015Lernzielkatalog Medizin: Mehr als Faktenwissen

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Lernzielkatalog Medizin: Mehr als Faktenwissen

Dtsch Arztebl 2015; 112(33-34): A-1366 / B-1146 / C-1118

Richter-Kuhlmann, Eva

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Es ist ein Novum in der Medizin: Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin beschreibt die Fähigkeiten, die Absolventen erworben haben sollten.

Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin soll die Vergleichbarkeit und die Ausbildungsqualität fördern. Foto: dpa
Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin soll die Vergleichbarkeit und die Ausbildungsqualität fördern. Foto: dpa

Es war keine einfache Geburt, doch nun ist er da: der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM). Seit Ende Juli ist er zusammen mit dem Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog Zahnmedizin (NKLZ) für jedermann online zugänglich (www.nklm.de). Nach einer fast sechsjährigen Entwicklungszeit durch eine Arbeitsgruppe des Medizinischen Fakultätentages (MFT) und der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) sowie mehr als 200 Experten aus Fachgesellschaften, der Bundes­ärzte­kammer, der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd) und der Medizinischen Fakultäten verabschiedeten die MFT-Mitglieder im Juni die Kataloge.

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Orientierung für die Medizinischen Fakultäten

Diese orientieren sich am Berufsbild des Arztes und des Zahnarztes und haben im Sinne eines Kerncurriculums Medizin/Zahnmedizin Empfehlungscharakter für die Fakultäten. „Mit der Verabschiedung ist ein wichtiger Meilenstein für die Medizindidaktik erreicht worden“, betont der Präsident des MFT, Prof. Dr. rer. nat. Heyo K. Kroemer. Nun könnten die bestehenden Curricula überarbeitet werden. „Dies fördert nicht zuletzt die Vergleichbarkeit und die Ausbildungsqualität im Medizinstudium“, so Kroemer.

Doch was ist das Neue am Lernzielkatalog? Schließlich sorgen die Gegenstandskataloge des Instituts für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) bereits seit Längerem für ein einheitliches schriftliches Staatsexamen im Multiple-Choice-Format. „Vieles bleibt aber dabei unklar“, erläutert der GMA-Vorsitzende und Direktor des Instituts für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. med. Martin R. Fischer, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. So würden bislang in den Gegenstandskatalogen für den klinischen Studienabschnitt hauptsächlich Krankheitsbilder und Leitsymptome lediglich aufgezählt, ohne dass dabei jedoch beispielsweise deutlich werde, was frisch approbierte Ärzte wirklich zum Beispiel zum Thema Diabetes mellitus wissen und können müssten.

Dazu gehörten nämlich auch interdisziplinäre Aufgaben in der Sekundärprävention, die Kommunikation mit den Patienten und ihren Angehörigen sowie der Zusammenarbeit mit den Diabetesberatern, erläutert Fischer. „Im NKLM wird dagegen auf eine klassische Fächer- oder Organzuordnung verzichtet“, so Fischer. „Es werden Zuordnungsempfehlungen gegeben. Die Fakultäten sollen die einzelnen Kompetenzen dann vor Ort den Fächern zuordnen, die jeweils für deren Vermittlung an die Studierenden zuständig sind.“

Ärztliche Fähigkeiten und Haltung im Fokus

Im Mittelpunkt des NKLM steht somit die Frage, welche generellen Kompetenzen Nachwuchsärzte haben müssen. Dazu gehören insbesondere die ärztliche Gesprächsführung, die Fähigkeit zur Teamarbeit sowie zur Interpretation und Bewertung von wissenschaftlichen Publikationen. Hinzu kommen Persönlichkeitsmerkmale und Haltungen wie Respekt, Empathie, Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit, die vom ärztlichen Nachwuchs erwartet werden.

Der Katalog soll dabei kein starres Korsett sein: Explizit werden in ihm die Fakultäten ermutigt, sich bei der Gestaltung ihrer Curricula nicht nur an ihm zu orientieren und ihn zu erproben, sondern auch durch zusätzliche curriculare Angebote ihr eigenes Profil herauszustellen. So sind beispielsweise die Kompetenzen aus den Wahlfächern im praktischen Jahr in der jetzt veröffentlichten Fassung nicht abgedeckt. Verbindlich bleiben die Studien- und Prüfungsordnungen der medizinischen Fakultäten.

Den Anstoß zur Erstellung des NKLM gab 2009 der Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz der Länder. Sein Ziel war es, mit dem Katalog den Fakultäten die Weiterentwicklung und die Modernisierung ihrer Curricula zu erleichtern und gleichzeitig eine einheitliche Basis für den Übergang in die klinische Weiterbildung zu schaffen. Gefördert wurde das Projekt durch die Robert Bosch-Stiftung.

Sorgfältiger und schwieriger Abstimmungsprozess

„Der Weg zur Fertigstellung war allerdings länger und komplizierter als gedacht“, räumt Fischer ein. Nachdem von 21 Expertenarbeitsgruppen ein Vorschlag erarbeitet und in der mit allen wichtigen Teilhabern an der medizinischen Aus- und Weiterbildung besetzten Lenkungsgruppe diskutiert und abgestimmt worden sei, habe man alle wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften über eine Online-Plattform in die Überarbeitung einbezogen, erläutert Fischer. „In mehreren Abstimmungsrunden haben sich 98 Fachgesellschaften über einen Zeitraum von zwei Jahren inhaltlich eingebracht und die Entwürfe kommentiert und verbessert.“ Koordiniert hat diese „Mammutaufgabe“ die NKLM-Geschäftsstelle der GMA. Inzwischen hat der MFT eine Expertengruppe zur Erprobung von NKLM und NKLZ etabliert. Bis 2020 sollen die Erfahrungen der Fakultäten mit den Katalogen regelmäßig ausgetauscht und diskutiert werden.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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