ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2015Medizinstudium: Reformen überfällig

POLITIK

Medizinstudium: Reformen überfällig

Dtsch Arztebl 2015; 112(33-34): A-1367 / B-1147 / C-1119

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zu viel Theorie, zu wenig Allgemeinmedizin und ein fragwürdiges Auswahlverfahren. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ soll diese Probleme lösen.

Kaum ist der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) fertig, da kündigt sich schon die nächste Reform an: der „Masterplan Medizinstudium 2020“. Union und SPD hatten ihn im Koalitionsvertrag vereinbart. Vertreter von Bund und Ländern sollen nun Vorschläge erarbeiten. Bis Mitte 2016 soll der Masterplan vorliegen – mit folgenden Schwerpunkten: zielgerichtetere Auswahl der Studienplatzbewerber, Förderung der Praxisnähe und Stärkung der Allgemeinmedizin.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat eine Stellungnahme zum Masterplan vorgelegt. Darin fordert sie vor allem eine Reform der Studienplatzvergabe. Neben der Abiturnote müssen nach Ansicht der BÄK weitere Kriterien für das Auswahlverfahren herangezogen werden. Stärker berücksichtigt werden sollen der BÄK zufolge unter anderem psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung. Konkret schlägt die BÄK vor, die Fakultäten finanziell zu unterstützen, die objektivierbare Assessments auf rechtlich abgesicherter Basis durchführen.

Anzeige

Bundes­ärzte­kammer fordert mehr Studienplätze

Dringend notwendig ist es aus Sicht der BÄK, die Zahl der Studienplätze bundesweit um mindestens zehn Prozent zu erhöhen – nicht zuletzt angesichts des Ärztemangels. In ihrer Stellungnahme verweist sie darauf, dass es 1990 allein in den alten Bundesländern 12 000 Studienplätze für Humanmedizin gab. „Diese wurden seitdem kontinuierlich reduziert. Statt 16 000 Plätzen, die sich nach der Wiedervereinigung aufgrund der acht hinzugekommenen Fakultäten hätten ergeben müssen, sind es aktuell nur noch rund 10 000“, kritisiert die Bundes­ärzte­kammer. Das habe dazu geführt, dass sich immer mehr Bewerber um immer weniger Plätze bemühen müssten. Tatsächlich kommen aktuell rund fünf Bewerber auf einen Medizinstudienplatz.

Die BÄK bemängelt, dass viele Bewerber über das Los- und Klageverfahren nur einen Teilstudienplatz erhalten. Die Zulassung ist dann auf die Vorklinik beschränkt. „Gerade in Zeiten des Ärztemangels erscheint es nicht zielführend, den ärztlichen Nachwuchs auf halber Strecke auszubremsen“, erklärt die BÄK. Vielmehr müsse man auch diesen Studierenden den nahtlosen Übergang in die klinischen Semester ermöglichen.

Allgemeinmedizin an den Unis soll gestärkt werden

Um den Hausärztemangel zu bekämpfen, spricht sich die BÄK dafür aus, Medizinstudierende schon früh an die Allgemeinmedizin heranzuführen. „Dafür müssen bis 2017 an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland Lehrstühle für Allgemeinmedizin eingeführt werden“, verlangt die Bundes­ärzte­kammer.

Neben der BÄK haben unter anderem auch der Marburger Bund, der Hartmannbund und der Medizinische Fakultätentag (MFT) Stellungnahmen zum „Masterplan Medizinstudium 2020“ vorgelegt. Dabei hat der MFT in zentralen Punkten eine andere Einschätzung als die ärztlichen Verbände. So werten die Fakultäten etwa die Abiturnote und den Medizinertest als praktikable und rechtssichere Mittel bei der Auswahl von Studierenden.

Dr. med Birgit Hibbeler

@Alle Stellungnahmen im Internet:
www.aerzteblatt.de/151367

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige