ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2015Versicherungen: Fitness-Kontrolle per App

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Versicherungen: Fitness-Kontrolle per App

Dtsch Arztebl 2015; 112(33-34): A-1364 / B-1148 / C-1120

Beerheide, Rebecca

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Täglicher Check der Fitness per Smartphone-App: Auch Kranken- und Lebensversicherungen wollen künftig dabei sein, wenn ihre Kunden Aktivitätsdaten sammeln. Foto: Fotolia/cirquedesprit
Täglicher Check der Fitness per Smartphone-App: Auch Kranken- und Lebensversicherungen wollen künftig dabei sein, wenn ihre Kunden Aktivitätsdaten sammeln. Foto: Fotolia/cirquedesprit

Immer mehr Menschen überprüfen ihre Gesundheitsdaten per Smartphone-App oder lassen sich von einem Fitnessarmband zu mehr Sport motivieren. Krankenkassen und Versicherungen wittern hier ein neues Geschäftsfeld.

Fitnessarmbänder, Apps zur Messung von Blutdruck, Herzfrequenz oder des Schlafes: Für viele Deutsche sind die Programme auf dem Handy oder die kleinen Geräte am Handgelenk nicht mehr wegzudenken. Sie sammeln Daten über ihre Aktivitäten, ihre Anstrengungen beim Sport. Mit den Daten verdienen die Hersteller der Armbänder oder die Internet-Unternehmen wie Google oder Apple bereits jetzt viel Geld. Nun wollen auch gesetzliche wie private Versicherungen dabei sein, wenn Versicherte und Kunden freiwillig viele Daten rund um ihre Gesundheit sammeln. Mit verschiedenen Bonus-Programmen und Zuschüssen werden sie gelockt, ihre Aktivitäten preiszugeben. Alle Versicherungen erklären, dass die Programme freiwillig seien und Daten nach den strengen Datenschutzbestimmungen gesichert würden.

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Als erste private Versicherung hat Generali das Programm „Vitality“ angekündigt, das 2016 starten soll. Dabei will das italienische Unternehmen nach eigenen Angaben „gesundheitsbewusstes Verhalten incentivieren. Wer das Programm nutzt, möchte seinen Gesundheitszustand verbessern und kann sich durch Boni und Vergünstigungen selbst motivieren“, heißt es von einer Generali-Sprecherin gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Derzeit sind wir mit der konkreten Auswahl der Versicherungsprodukte sowie der Kooperationspartner beschäftigt und passen das Vitality-Programm an den deutschen Markt an“, so die Sprecherin. Ob es künftig einen Tarif zur Kran­ken­ver­siche­rung gibt, ist offenbar noch unklar. „Konkret prüfen wir derzeit die Einbindung von Vitality vor allem für Produkte der Lebens- und der Berufsunfähigkeitsversicherung.“

Die Allianz will keine Fitnessdaten ihrer Kunden sammeln. „Wir sind ganz eindeutig dagegen, die Daten gehören den Versicherten“, erklärt Allianz-Sprecher Franz Billinger. „Mit solchen Angeboten erreichen wir nur die Menschen, die bereits motiviert sind und damit nicht die richtigen.“

Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben die Möglichkeiten rund um die Aktivitätsdaten ihrer Versicherten entdeckt. Neben den Zuschüssen zu Sportkursen oder Fitnessstudios sollen Versicherte künftig auch für Aktivitäten belohnt werden, die mit Daten aus dem Fitnessarmband nachgewiesen werden können. Die AOK Nordost zahlt einen Zuschuss bei der Anschaffung der Geräte – dazu zählt auch die Uhr von Apple, die AppleWatch. Die TK will ebenfalls nachziehen und wartet noch auf die Genehmigung der Rechtsaufsicht.

Diese Bonusprogramme, die medial für Aufsehen sorgen, haben das Interesse des Bundesversicherungsamtes geweckt. In seinem aktuellen Jahresbericht meldet die Kassen-Rechtsaufsicht Zweifel an der Qualität der Smartphone-Programme an. Zwar könnten die Kassen ihren Versicherten Bonusleistungen gewähren. Allerdings: „Sportliche Betätigungen können nach Auffassung des Bundesversicherungsamtes aber nur dann als qualitätsgesicherte Maßnahmen eingestuft werden, wenn diese nachweisbar unter fachlicher Anleitung erfolgen.“

Rebecca Beerheide

Kommentar

Rebecca Beerheide, Redakteurin

Das ist es nicht wert

Ein Bonus von der Krankenkasse! Offenbar klingt das so verlockend, dass immer mehr Menschen nachlässig mit ihren Daten umgehen: Was zunächst mit Likes, Fotos oder politischen Meinungen bei Facebook und Twitter begann, geht nun weiter mit der Datenübertragung von Blutdruckwerten, verbrauchten Kalorien oder der Zahl der sportlichen Aktivitäten. All das landet auf Servern von Internet-Giganten wie Google oder Apple. Daran bedienen sich künftig auch Krankenkassen und Versicherungen. Die wenigsten Menschen ahnen, wer auf diese persönlichen Daten Zugriff hat. Oft wissen die Anbieter von Apps oder diejenigen, die Menschen zum Datensammeln bringen, dies selbst nicht. Und leider interessieren sich nur zu wenige dafür. Ein fataler Fehler. Auch wenn heute offenbar noch unstrukturiert Daten gesammelt werden – irgendwann wird es per Mausklick möglich sein, Daten zu vernetzen, Schlüsse daraus zu ziehen. Man muss kein Fan von düsteren Zukunftsvisionen sein, um vor Konsequenzen zu warnen: Nichts ist so schützenswert wie Gesundheitsdaten – und kein finanzieller Anreiz einer Versicherung sollte es wert sein, sie zu verkaufen.

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