ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2015Ausschluss von Herzinfarkten bei Notaufnahme: Hochsensitive Troponin-Einzelmessung könnte reichen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ausschluss von Herzinfarkten bei Notaufnahme: Hochsensitive Troponin-Einzelmessung könnte reichen

Eckert, Nadine

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Wird ein Patient mit Schmerzen in der Brust in der Notaufnahme vorstellig, ist eine schnelle Diagnose gefragt. Mit den bis vor kurzem zur Verfügung stehenden Tools für die Ersteinschätzung – Symptome, Vorgeschichte, EKG und Standard-Troponin-Assays – war es nicht möglich, einen sich entwickelnden Herzinfarkt zuverlässig auszuschließen. Folge: Die Mehrheit der Patienten wurde zur weiteren Beobachtung stationär aufgenommen, obwohl sich nur bei einem kleinen Teil von ihnen letztlich die Diagnose Herzinfarkt bestätigte. Eine effektivere Ersteinschätzung ermöglichen inzwischen hochsensitive Troponin-T (hsTnT)-Assays. Ob eine einzige hsTnT-Messung mit einem dieser Assays ausreicht, um einen Herzinfarkt sicher auszuschließen, evaluiert ein systematischer Review mit Metaanalyse.

In 20 Studien wurde für den Herzinfarktausschluss ein hsTnT-Cut-off von 14 ng/L (99. Perzentil einer gesunden Referenzpopulation, Herstellerempfehlung) verwendet. Mit diesem Cut-off-Wert hatte der Assay eine Sensitivität von 89,5 % und eine Spezifität von 77,1 %. 6 Studien verwendeten einen Cut-off-Wert von 3 ng/L (Level of blank [LOB]) oder 5 ng/L (Level of detection [LOD]). Damit lag die Sensitivität bei 97,4 % und die Spezifität bei 42,4 %. Wird ein niedriger Cut-off-Wert angesetzt
(3 oder 5 ng/L), könne eine einzige hsTnT-Messung mit dem verwendeten Elecsys-Assay ausreichen, um einen Herzinfarkt auszuschließen, so die Autoren. Die Methode sollte Teil einer umfassenden Strategie der Ersteinschätzung sein.

Geschätzte Sensitivität und Spezifität eines Cut-off-Wertes von 3 oder 5 ng/L auf Basis von 6 Studien (in der Grafik 1-6)
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Geschätzte Sensitivität und Spezifität eines Cut-off-Wertes von 3 oder 5 ng/L auf Basis von 6 Studien (in der Grafik 1-6)

Fazit: „Die Arbeit trägt wesentlich zur besseren Einschätzung des Konzeptes eines schnellen Herzinfarktausschlusses in der Notaufnahme über einen einzigen negativen Troponin-T-Wert bei“, sagt Prof. Dr. med. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter Notfallmedizin/Rettungsstellen an der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Die Schlussfolgerung der Autoren, dieses Konzept nur als Teil einer umfassenderen Strategie der Ersteinschätzung zu verwenden, ist aber sehr ernst zu nehmen.“ Die Verwendung von LOD oder LOB als Cut-off-Wert sei problematisch, weil der Variationskoeffizient der Messung bei diesen Konzentrationen unbekannt sei. Problematisch bei einer einzigen Blutentnahme seien zudem Patienten, die sehr früh oder in einem dynamischen Stadium ihres akuten Koronarsyndroms vorstellig werden. Die Strategie sei faszinierend, bedürfe jedoch vor breiterer klinischer Anwendung einer Bestätigung durch eine prospektive, randomisierte Prozessstudie. Nadine Eckert

Zhelev Z et al.: Diagnostic accuracy of single baseline measurement of Elecsys Troponin T high-sensitive assay for diagnosis of acute myocardial infarction in emergency department: systematic review and meta-analysis. BMJ 2015; 350: h15.

Geschätzte Sensitivität und Spezifität eines Cut-off-Wertes von 3 oder 5 ng/L auf Basis von 6 Studien (in der Grafik 1-6)
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Geschätzte Sensitivität und Spezifität eines Cut-off-Wertes von 3 oder 5 ng/L auf Basis von 6 Studien (in der Grafik 1-6)

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Avatar #84550
gennadij
am Sonntag, 23. August 2015, 11:30

Herr

Die Vorhabe ist ausgezeichnet, und entspricht dem Eid des Hyppokrates.
MfG
G. Eistrach

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