Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Herr Wolter weißt zurecht darauf hin, dass gerade bei älteren Menschen spezielles Augenmerk auf die pharmakologischen Besonderheiten zu lenken ist und möglicherweise bei anderen Patientengruppen gut etablierte Abläufe einer Modifikation bedürfen. Dies ist nicht zuletzt deshalb bedeutsam, weil gerade die Benzodiazepin-Abhängigkeit im Alter ein besonders häufiges Phänomen darstellt. Inwieweit die von Herrn Reuther angemerkten möglichen zusätzlichen Risiken sich als evident erweisen, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Aktuell liegt hier noch keine ausreichende Datenbasis vor. Billiotiti et al. (1) formulieren diesbezüglich die These auch als Frage (Zitat: „Is there really a link between benzodiazepine use and the risk of dementia?“).

Herr Bschor spricht hier ein grundsätzliches Problem an, nämlich die Behandlung einer Substanzabhängigkeit mit einer Substanz. Diese Diskussion ist auch zu der Anwendung von Disulfiram lange geführt worden. Die suchtspezifische Neigung der Betroffenen, Probleme und Bedürfnislagen zu externalisieren und vermeintlich einfache „stoffgebundene“ Lösungen zu bevorzugen, birgt immer die Gefahr einer Verschiebung mit allen möglichen Konsequenzen. Inwieweit aber, wie von Herrn Bschor ausgeführt, die in der Veröffentlichung der Empfehlungen der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (2) getroffenen Aussagen direkt auf Menschen mit einer Benzodiazepin-Abhängigkeit übertragen werden können, mag dahingestellt bleiben. Auch die Leitlinie Unipolare Depression (3) führt Komorbiditäten letztendlich nur zur Alkoholabhängigkeit aus. Es ist zwar sicher richtig, dass eine valide Beurteilung affektiver Symptome erst nach einer substanzmissbrauchsfreien Zeit möglich ist, wahrscheinlich dürfte dieses Zeitfenster allerdings bei Benzodiazepin-Abhängigkeit eher größer sein als bei Alkoholabhängigkeit. Es erscheint evident, dass bezüglich der spezifischen Zusammenhänge von Benzodiazepin-Abhängigkeit und affektiven Störungen weiterer Forschungsbedarf besteht.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0604

Dr. med. Knut Hoffmann
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin,
LWL-Universitätsklinikum Bochum,
Ruhr-Universität Bochum
knut.hoffmann@wkp-lwl.org

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Billiottti de Gage S, Pariente A, Begaud B: Is there really a link between benzodiazepine use and the risk of dementia? Expert Opin Draug Saf 2015; 18: 1–15 CrossRef
2.
AG Psychiatrie der AkdÄ: Empfehlungen zum Einsatz von Antidepressiva bei alkoholabhängigen Patienten. Arzneiverordnung in der Praxis (AVP) 38:27–29. www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Ausgaben/2003–2014/20112.pdf#page=3&view=fitB (last accessed on 7 February 2015).
3.
DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGS, HG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (eds.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression: S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung. 1th edition. Berlin, Düsseldorf: DGPPN, ÄZQ, AWMF 2009. www.dgppn.de, www.versorgungsleitlinien.de, www.awmf-leitlinien.de (last accessed on 16. April 2015).
4.
Janhsen K, Roser P, Hoffmann K: The problems of long-term treatment with benzodiazepines and related substances—prescribing practice, epidemiology and the treatment of withdrawal. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1–7 VOLLTEXT
1.Billiottti de Gage S, Pariente A, Begaud B: Is there really a link between benzodiazepine use and the risk of dementia? Expert Opin Draug Saf 2015; 18: 1–15 CrossRef
2.AG Psychiatrie der AkdÄ: Empfehlungen zum Einsatz von Antidepressiva bei alkoholabhängigen Patienten. Arzneiverordnung in der Praxis (AVP) 38:27–29. www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Ausgaben/2003–2014/20112.pdf#page=3&view=fitB (last accessed on 7 February 2015).
3.DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGS, HG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (eds.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression: S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung. 1th edition. Berlin, Düsseldorf: DGPPN, ÄZQ, AWMF 2009. www.dgppn.de, www.versorgungsleitlinien.de, www.awmf-leitlinien.de (last accessed on 16. April 2015).
4.Janhsen K, Roser P, Hoffmann K: The problems of long-term treatment with benzodiazepines and related substances—prescribing practice, epidemiology and the treatment of withdrawal. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1–7 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote