ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2015Randnotiz: Alleinerziehend mit 65

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Randnotiz: Alleinerziehend mit 65

Dtsch Arztebl 2015; 112(35-36): A-1395 / B-1175 / C-1147

Hibbeler, Birgit

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Die Vierlinge der 65-jährigen Berlinerin Annegret R. sind aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Babys haben sich seit ihrer Geburt gut entwickelt und wiegen nun alle mehr als 2,5 Kilo, wie die behandelnde Charité mitteilte. Das Mädchen und die drei Jungen kamen am 19. Mai per Kaiserschnitt zur Welt – damals in der 26. Schwangerschaftswoche. Annegret R. ist damit jetzt Mutter von 17 Kindern.

Die Schwangerschaft der pensionierten Lehrerin hat Aufsehen erregt. Möglich war das „biologische Wunder“ durch eine kombinierte Ei- und Samenzellspende in der Ukraine. Ärzte hierzulande warnten vor den Risiken für Mutter und Kind. Außenstehende fragten sich: Warum macht sie das? In dem Alter und ohne Partner? Das nahezu einhellige Urteil: Das ist keine Mutterliebe, sondern Geltungssucht. Die armen Kinder!

Nun kann man aber auch sagen: Ist doch schön. Vier Menschen sind ins Leben gekommen, die sonst nicht das Licht der Welt erblickt hätten. Warum sollte das für die Babys schlimmer sein, als gar nicht erst geboren zu werden? Außerdem haben Kinder, die bei jüngeren Müttern aufwachsen, deshalb nicht automatisch eine glückliche Kindheit.

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Was man aber kritisieren kann, ist, dass Annegret R. die Entscheidung für ihre Mutterschaft ganz bewusst getroffen hat. Die sich daraus ergebende Verantwortung wird sie aber nicht übernehmen können. Sie verlässt sich von vornherein auf die Unterstützung anderer. Dass ihre Vierlinge als Frühchen zur Welt kommen und eine aufwendige neonatologische Behandlung brauchen würden, war absehbar. Spätfolgen sind möglich. Wenn die Kinder 15 Jahre alt sind, ist Annegret R. 80. Ohne Hilfe wird sie das kaum schaffen.

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