ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2015Prävention von häuslichen Stürzen: Das Verhältnis der Kosten zum Nutzen ist sehr günstig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention von häuslichen Stürzen: Das Verhältnis der Kosten zum Nutzen ist sehr günstig

Dtsch Arztebl 2015; 112(35-36): A-1419 / B-1197 / C-1169

Gerste, Ronald D.

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In Europa sterben circa 110 000 Menschen pro Jahr an der Folge von Stürzen, die Zahl der dadurch verursachten Krankenhauseinweisungen wird auf 32 Millionen geschätzt. In der Home Injury Prevention Intervention (HIPI)-Studie hat ein neuseeländisches Forscherteam untersucht, ob vergleichsweise einfache Bau- und Renovierungsmaßnahmen vor Stürzen schützen. Die Maßnahmen erfolgten in 436 Haushalten und 950 Bewohnern (Interventionsgruppe; durchschnittliches Alter: 45 Jahre), das Kontrollkollektiv bestand aus 406 Haushalten mit 898 Bewohnern (durchschnittliches Alter: 43 Jahre) ohne bauliche Maßnahmen. Voraussetzung für die Studienteilnahme war ein vor 1980 gebautes Haus, der Wille der Probanden, darin noch mindestens 3 Jahre zu wohnen und Unterstützung im Haushalt durch eine staatlich finanzierte Hilfsperson. In der Interventionsgruppe, nicht aber in der Kontrollgruppe, wurden Geländer an Treppen inner- und außerhalb des Hauses angebracht, Handgriffe im sanitären Bereich, gute Beleuchtung um das Haus herum und außerdem rutschfeste Teppiche und raue Oberflächen auf den Terrassen gelegt. Diese Änderungen kosteten durchschnittlich umgerechnet maximal 400 Euro pro Haushalt. Während der im Durchschnitt 1 148 Tage umfassenden Beobachtungszeit lag die Zahl der Stürze pro Jahr in der Interventionsgruppe um 26 % unterhalb der Kontrollgruppe (Relative Sturzrate in der Interventionsgruppe: 0,74; 95-%-Konfidenzintervall: 0,58–0,94), die Gesamtzahl der häuslichen Verletzungen pro Jahr war um 39 % geringer.

Fazit: „Die Prävention von Stürzen ist besonders im höheren Alter ein gesundheitsökonomisch wichtiges Thema, da pro Jahr circa 30 % der > 65-Jährigen und circa 50 % der > 80-Jährigen stürzen“, kommentiert Prof. Dr. med. Stephanie Stock, Institut für Gesundheitsökonomie der Universität zu Köln. Eine gesundheitsökonomisch wichtige Sturzfolge, die hüftnahe Femurfraktion, sei mit hohen direkten Kosten und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. In einem nicht unerheblichen Prozentsatz komme es außerdem aufgrund des Sturzes zur Pflegebedürftigkeit. „Insofern beschäftigt sich die Studie mit einem wichtigen Thema“, meint Stock, „allerdings nicht nur bei Älteren“.

Bei der Interpretation der Ergebnisse sollten daher folgende Limitationen beachtet werden, meint Stock: Das Ausgangsrisiko in der Interventionsgruppe sei durch den Altersunterschied etwas höher als in der Kontrollgruppe gewesen, der größte Effekt sei bei Kindern beobachtet worden. In der Gruppe der > 60-Jährigen waren die Verletzungsraten in der Kontroll- und der Interventionsgruppe ähnlich. „Auch wenn die Autoren schreiben, der gemessene Effekt hänge nicht vom Alter ab, sprechen die Daten für einen mit dem Alter abnehmenden Effekt“, meint Stock. Dennoch weise die Studie darauf hin, dass vergleichsweise kostengünstige häusliche Maßnahmen vor Stürzen schützen könnten. Dr. med. Ronald D. Gerste

Keall MD, et al.: Home modifications to reduce injuries from falls in the Home Injury Prevention Intervention (HIPI) study: a cluster-randomised controlled trial. Lancet 2015; 385: 231–8.

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michelvoss
am Dienstag, 1. September 2015, 13:23

8.675 Tote durch Unfälle im Hausbereich, 3.542 durch Verkehrsunfälle.

http://www.baua.de/de/Informationen-fuer-die-Praxis/Statistiken/Unfaelle/Gesamtunfallgeschehen/Gesamtunfallgeschehen.html

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