ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2015Rektumkarzinom: Laparoskopisch genauso gut operiert wie offen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rektumkarzinom: Laparoskopisch genauso gut operiert wie offen

Dtsch Arztebl 2015; 112(35-36): A-1419 / B-1197 / C-1169

Gulden, Josef

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Beim Rektumkarzinom hat in der Vergangenheit die Weiterentwicklung der chirurgischen Techniken die größten Fortschritte gebracht, insbesondere die Einführung der totalen mesorektalen Exzision, die zusammen mit der neoadjuvanten Chemoradiotherapie die lokoregionären Rezidivraten auf unter 10 % und die tumorfreien Überlebensraten auf über 70 % gebracht hat. In letzter Zeit werden diese Patienten immer häufiger laparoskopisch statt offen operiert, weil damit Vorteile wie weniger Schmerzen, geringerer Blutverlust und schnellere Erholung verbunden sind. Streng genommen gab es aber bisher für die – insbesondere onkologische – Gleichwertigkeit beider Verfahren belastbare Daten nur für das Kolon-, nicht aber für das Rektumkarzinom. Eine europäische Studiengruppe hat diese Fragestellung daher in der randomisierten COLOR-II-Studie (Colorectal Cancer Laparoscopic or Open Resection) untersucht.

Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion
Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion
Grafik
Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion

Insgesamt 1 044 Patienten mit einem solitären Rektumtumor, der nicht weiter als 15 cm vom Analrand entfernt sein durfte (Stadien I–III; keine Fernmetastasen), wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert, entweder laparoskopisch oder offen operiert zu werden. Primärer Endpunkt war die lokoregionäre Rezidivrate nach 3 Jahren (keine Rezidive im Becken oder Perineum), und hier waren beide Verfahren mit 5,0 % absolut gleichwertig (Differenz: 0 Prozentpunkte; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: –2,6–[+]2,6), vergleichbar Ergebnissen aus anderen Studien mit offener Operation. Auch bei den beiden sekundären Endpunkten gab es keinen Unterschied: Die krankheitsfreien Überlebensraten nach 3 Jahren lagen bei 74,8 % in der laparoskopisch und 70,8 % in der offen operierten Gruppe (Differenz: 4 Prozentpunkte; 95-%-KI: –1,9–9,9) und die Gesamtüberlebensraten bei 86,7 % vs. 83,6 % (Differenz: 3,1 Prozentpunkte; 95-%-KI: –1,6–[+]7,8).

Fazit: Die laparoskopische Operationstechnik ist beim Rektumkarzinom der offenen Methode gleichwertig, was Rezidivfreiheit und Überleben angeht, im postoperativen Verlauf zeichnen sich sogar eindeutige Vorteile ab. Diese Studie ist nach Ansicht von Prof. Dr. med. Beat Müller, Sektionsleiter minimal- invasive und Adipositaschirurgie in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg, ein Meilenstein: „Unter anderem aufgrund dieser Studie ist es vertretbar, die laparoskopische Rektumresektion – in erfahrenen Händen – zum Standard zu erheben. Es ist kaum mehr möglich, den Patienten zu erklären, warum sie sich überhaupt noch offen operieren lassen sollen angesichts der Vorteile im postoperativen Verlauf“, kommentiert Müller. Josef Gulden

Bonjer HJ, et al.: A randomized trial of laparoscopic versus open surgery for rectal cancer. N Engl J Med 2015; 372: 1324–32.

Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion
Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion
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Krankheitsfreies Überleben von Patienten mit Rektumkarzinom in den Stadien I–III nach offener und laparoskopischer Resektion

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