ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Psychische Kontraindikationen
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Zwar ist jeder approbierte Arzt auch ohne einschlägige Fortbildung berechtigt, die Tauchtauglichkeit von Sporttauchern zu bescheinigen. Nur sollte er es nach diesem kurzem Fortbildungsartikel nicht tun. Das Tauchtauglichkeit-Manual hat nicht umsonst über 200 Druckseiten, die man dazu kennen muss.

Es gibt kein „Tauchverbot“. Der Flugmediziner hat das Recht, dem Möchtegernpiloten das Fliegen zu verbieten, schließlich könnte der beim Absturz andere gefährden. Der Tauchmediziner kann das Tauchen nicht verbieten, denn der Sporttaucher gefährdet ausschließlich sich selbst. Tauchen ist immer Eigenverantwortung. Die ärztliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung dient allenfalls der Absicherung der Tauchschulen und Reiseveranstalter. Die Forderung danach hat einzig den positiven Effekt, dass der Sporttaucher genötigt ist, sich einer tauchmedizinischen Beratung zu unterziehen, bei der er individuell und ausführlich informiert wird, welche Risikofaktoren er hat. Diese Beratung ist Hauptaufgabe des Tauchmediziners, das Stück Papier fällt dann nebenbei an.

Unentschuldbarer Mangel des Fortbildungsartikels ist, dass psychische Kontraindikationen nicht erwähnt sind. Die meisten lebensbedrohlichen Tauchunfälle sind auf psychische Fehlleistungen zurückzuführen. Der Tauchmediziner muss die Stressverarbeitung, die Angstbereitschaft und den Umgang mit Risikoverhalten abfragen. Die Diagnose „Angstpatient“ gehört wie der „Bruder Leichtfuß“ zu den relativen Kontraindikationen. Hyperventilation eines Gerätetauchers in der Panikattacke unter Wasser geht gar nicht gut. Persönlichkeitsstörungen sind kritisch zu bewerten. Weitere Kontraindikationen sind Depressionen, Suizidalität, manische Selbstüberschätzung, psychotische Symptomatik mit Realitätsverkennung, stoffgebundenes und nichtstoffgebundenes Suchtverhalten. Dass der Sporttaucher nüchtern zu sein hat und nicht unter Psychopharmaka stehen darf, muss selbstverständlich sein.

Die psychische Situation des Sporttauchers ist jedenfalls nach meinem Eindruck wichtiger als die Lungenfunktion oder die Herzleistung, wenn es gilt, durch gute Beratung Tauchunfälle zu verhindern.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0614a

Dr. med. Ralf Cüppers

Arzt für Psychotherapeutische Medizin, Flensburg

ralf@psychotherapeutische-medizin.net

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wendling J, Ehm O, Ehrsam R, Kness P, Nussberger P (eds.): Tauchtauglichkeit Manual: Richtlinien für die Untersuchung von Sporttauchern der GTÜM (Deutschland), SGUHM (Schweiz) und ÖGTH (Österreich); 2nd edition. Hyperbaric Editions c/o Dr. Jürg Wendling 2001.
2.
Eichhorn L, Leyk D: Diving medicine in clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 147–58 VOLLTEXT
1. Wendling J, Ehm O, Ehrsam R, Kness P, Nussberger P (eds.): Tauchtauglichkeit Manual: Richtlinien für die Untersuchung von Sporttauchern der GTÜM (Deutschland), SGUHM (Schweiz) und ÖGTH (Österreich); 2nd edition. Hyperbaric Editions c/o Dr. Jürg Wendling 2001.
2.Eichhorn L, Leyk D: Diving medicine in clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 147–58 VOLLTEXT

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