ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Ethische Diskussion kommt zu kurz
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„Social freezing“ gehört zur umstrittenen „Wunschmedizin“ (Enhancement) (1, 2). Deshalb ist nicht nur die medizinisch-technische, sondern vor allem die ethische Diskussion wichtig. Diese ist im Artikel sehr kurz gehalten, die Literaturangaben sind spärlich. Für die zentrale Aussage „Ethiker sehen die Autonomie der Frau als ein wesentliches Gut an, aufgrund dessen sie selbst entscheiden kann, ob sie eine Fertilitätsreserve anlegen lässt“ werden nur zwei Quellen angeführt. In der einen Studie akzeptieren die Autoren (Mertes, Pennings) die Entscheidung „Pro“ Social freezing, ohne diese zu hinterfragen. Ihr Ziel ist etwas anderes, nämlich die Verbesserung des Umgangs mit der Methode: wie Frauen überzeugt werden können, die Methode möglichst früh anzuwenden, in einem Alter in dem „good results“ zu erwarten sind. Die zweite Arbeit (auch von Pennings) führt aus, dass medizinische und soziale Gründe oft nicht zu trennen seien – eine befremdliche These aus meiner Sicht: Hier die Frau mit Krebserkrankung, deren Ovarien durch die aggressive Therapie zerstört zu werden drohen – da die Frau, für die ein Kind jetzt nicht in den Lebensplan passt. Mit Verweis auf diese Literatur wird das Thema „Autonomie“ nicht angemessen diskutiert. Als kritische Stimme wird nur die Stellungnahme der Schweizer Ethik-Kommission zitiert. Die Diskussion in Deutschland wird nicht aufgegriffen, zum Beispiel die 2014 erschienene ausführliche Arbeit des Medizin-Ethikers Giovanni Maio: „Schwangerschaft auf Abruf? Warum Social-Egg-Freezing nicht der richtige Weg ist“ (3), in der er sich kritisch auseinandersetzt mit dem „Versprechen des Einfrierens der Zeit“ und warnt vor der „Spirale des Machbaren“.

So verdienstvoll es ist, wenn ausgewiesene Fachleute ein so heißes Eisen anfassen, muss die Frage erlaubt sein, ob der angegebene Interessenkonflikt der Autoren vielleicht doch den Blick einengt.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0612b

Dr. med. Claudia Schumann
Northeim

ClaudiaSchumann@t-online.de

Interessenkonflik

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
„Social freezing“ – ein familienpolitisches Desaster und medizinisch nicht akzeptabel! – Pressemitteilung der DGPFG (Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe) Dezember 2014.
2.
Feyerabend E: Selbstoptimierung bis zur Erschöpfung, in FrauenRat 6/14.
3.
Maio G: Schwangerschaft auf Abruf? Warum Social Egg Freezing nicht der richtige Weg ist. in: Imago Hominis 2014; 21: 12–6.
4.
von Wolff M, Germeyer A, Nawroth F: Fertility preservation for non-medical reasons—controversial, but increasingly common. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 27–32 VOLLTEXT
1.„Social freezing“ – ein familienpolitisches Desaster und medizinisch nicht akzeptabel! – Pressemitteilung der DGPFG (Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe) Dezember 2014.
2.Feyerabend E: Selbstoptimierung bis zur Erschöpfung, in FrauenRat 6/14.
3.Maio G: Schwangerschaft auf Abruf? Warum Social Egg Freezing nicht der richtige Weg ist. in: Imago Hominis 2014; 21: 12–6.
4.von Wolff M, Germeyer A, Nawroth F: Fertility preservation for non-medical reasons—controversial, but increasingly common. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 27–32 VOLLTEXT

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