ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenUrologie 1/2015Sonographie: Schallen will gelernt sein

Supplement: Perspektiven der Urologie

Sonographie: Schallen will gelernt sein

Dtsch Arztebl 2015; 112(37): [30]; DOI: 10.3238/PersUro.2015.0911.07

Heynemann, Hans

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Richtlinien, Verordnungen und Bestimmungen streben höchste technische und diagnostische Qualität an. Diese anspruchsvollen Lehrinhalte müssen in der täglichen Praxis allerdings „mit Leben“ erfüllt werden.

Erstmals 1942 setzten der Neurologe Karl Theo Dussik und sein Bruder Friedrich Dussik, ein Physiker, das Verfahren zur Beantwortung diagnostischer Fragestellungen in der Medizin ein. Die Folge war eine rasante Verbreitung. Nicht zuletzt die Fachgebiete Urologie und Nephrologie nutzten alsbald diese innovative Methode, nachdem die Ergebnisse erster Untersuchungen an den Nieren von Holmes (1960) und Goldberg (1968) publiziert wurden. Die Anwendung hochfrequenter Schallköpfe zur intrakavitären Nutzung im Rektum erfolgte erstmals von der japanischen Arbeitsgruppe um Watanabe (1973) zur Prostata-Diagnostik.

Inzwischen ist die Sonographie das am häufigsten angewendete bildgebende Verfahren in der medizinischen Diagnostik – zumal es jederzeit rasch einsetzbar (bedside-Untersuchung), nebenwirkungsfrei, ohne Strahlenbelastung und komplikationslos genutzt werden kann. Nicht nur die Morphologie und deren pathologische Veränderungen (B-Bild) können im Realtime-Modus erfasst, sondern auch die Durchblutung der interessierenden Region mittels der Doppler-Technik nichtinvasiv beurteilt werden.

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Der damit verbundene hohe Informationsgewinn bedarf jedoch einer kritischen Wertung durch einen – in der Methode erfahrenen – Untersucher. Im Vergleich zur konventionellen Röntgen-Diagnostik, bei der statisch in definierten Schnittebenen (frontal, sagittal etc.) die Bilder rekrutiert werden, vermittelt die dynamische Sonographie im Realtime-Modus eine Vielzahl von Ultraschall-Bildern, die der Arzt sinnvoll zu einem Befund zusammenfügen muss.

Maßgebend für die Indikation zur Sonographie ist die klinische Fragestellung. Allerdings bedarf es eines strukturierten Vorgehens, um die Methode, die von bedeutenden Einflussfaktoren abhängig ist, sinnvoll einzusetzen: Wichtig ist die Wahl eines Ultraschall-Diagnostik-Gerätes, das den aktuellen Anforderungen in vollem Umfange entspricht. Entsprechend den Richtlinien der KBV in Deutschland (Ultraschall-Vereinbarung: Fassung 2012) muss dieses Gerät bezüglich der technischen Voraussetzungen von der jeweiligen Landes-KV auf Antrag des Nutzers zugelassen sein, um eine abrechnungsfähige sonographisch-ärztliche Leistung erbringen zu können.

Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild
Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild
Abbildung
Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild

Wahl des passenden Scanners ist für die Untersuchung wesentlich

Bei der heutigen Vielfalt an unterschiedlichen Ultraschall-Köpfen ist es zudem wesentlich, den der Fragestellung entsprechenden Scanner zu wählen – vor allem im Hinblick auf die einzusetzende Ultraschall-Frequenz. In Analogie zu den Gesetzen der Optik ist eine niedrige Schallkopf-Frequenz (1–3 MHz) mit einer hohen Eindringtiefe, aber vergleichsweise geringer Bildauflösung verbunden, während eine hohe Schallkopf-Frequenz (7–12 MHz) eine höhere Bildauflösung zur Folge hat, verbunden mit einer besseren Detailerkennung, aber bei geringerer Eindringtiefe in die zu untersuchende Organregion (Grafik 1). So hat sich in der Uro-Sonographie der Einsatz endokavitärer Scanner nach Einführung in das Rektum (TRUS) mit hoher Frequenz (7–12 MHz) bewährt. Damit ist es möglich, die Binnenstrukturen der Prostata bei Verdacht auf Prostatakarzinom oder benignem Prostatasyndrom (BPS) genauer zu beurteilen. Dieses diagnostische Verfahren entspricht zum Beispiel der transvaginalen Sonographie in der Geburtshilfe/Gynäkologie oder der transösophagealen Echokardiographie in der Kardiologie. Letztere hat die Beurteilung der Morphologie, aber auch der Funktionalität von Herzklappen deutlich verbessert.

Physikalische Voraussetzungen
Physikalische Voraussetzungen
Grafik 1
Physikalische Voraussetzungen

Der Untersucher ist die „größte Unbekannte“ bei der Befundung

Die wesentlichste Einflussgröße auf den Prozess eines sonographischen Befundes ist allerdings der Untersucher selbst; er ist die „größte Unbekannte“ im anspruchsvollen Prozess dieses diagnostischen Vorganges. Denn im Gegensatz zu allen anderen bildgebenden Verfahren, die reproduzierbar aufgezeichnet sind und von mehreren Personen befundet werden können, ist der sonographische Untersuchungsvorgang erheblichen subjektiven Einflüssen unterworfen. Große Erfahrung, verbunden mit einem sachlich nüchternen Urteilsvermögen in der Sonographie seines jeweiligen Fachgebietes, ist die Basis für einen zielführenden Befund, der als Mosaikstein in der Diagnostik maßgeblich die sich daraus ableitende Therapie beeinflusst.

Voraussetzung für die Erlangung dieser Sachkompetenz sind neben der Kenntnis zur Physik der Ultraschall-Diagnostik mit ihren verschiedenen modernen Techniken (Beispiele: Ultraschall-Doppler-Verfahren, C TRUS-ANNA, Harmonic imaging, Ultraschall-Kontrastmittel, Elastographie etc.) praktische Übungen unter Anleitung sonographisch erfahrener Untersucher.

Die Weiter­bildungs­ordnungen der Ärztekammern beinhalten innerhalb der jeweiligen Facharztausbildung auch den Erwerb von Kenntnissen zur Ultraschall-Diagnostik sowie die selbstständige Durchführung sonographischer Untersuchungen. Darüber hinaus bieten die Fachgesellschaften innerhalb ihrer Fortbildungsakademien die Vertiefung dieser Spezialkenntnisse an – die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) zum Beispiel im Arbeitskreis „Bildgebende Verfahren“.

Hervorzuheben ist die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), deren Fachsektionen und Arbeitskreise – in Abstimmung mit der KBV und den Fachgesellschaften – Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen anbieten. Zur Optimierung dieses Konzeptes hat die DEGUM eine „Ultraschall-Akademie“ gegründet, die sonographische Ausbildungskonzepte vom Anfänger- bis zum Expertenkurs der jeweiligen Fachdisziplin integriert. So besteht das Stufenkonzept für die Urologie aus einem Grundkurs (24 Unterrichtsstunden à 45 Minuten), Aufbaukurs (24 Stunden) und Spezialmodulen (8 Stunden) (Grafik 2). Nach erfolgreichem Abschluss (mc-Fragenkatalog) der jeweiligen Kurse und Module wird ein Qualitätssiegel vergeben, was auch von der Österreichischen (ÖGUM) und der Schweizerischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (SGUM) anerkannt wird.

Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)
Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)
Grafik 2
Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)

Dieses Angebot möge dazu dienen, die wegen des enormen Zeitdruckes zum Teil „stiefmütterlich“ behandelte sonographische Ausbildung, die heute zum Rüstzeug eines jeden praktisch tätigen Arztes gehört, zu optimieren.

DOI: 10.3238/PersUro.2015.0911.07

Prof. Dr. med. Hans Heynemann

Urologische Universitätsklinik und Poliklinik,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Interessenkonflikt: Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.

Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild
Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild
Abbildung
Sonographische Darstellungsformen: Vom A-Scan zum Hightech- Ultraschallbild
Physikalische Voraussetzungen
Physikalische Voraussetzungen
Grafik 1
Physikalische Voraussetzungen
Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)
Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)
Grafik 2
Urosonographie: Zertifizierte Fort- und Weiterbildung (DEGUM/DGU)

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