ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2015Stigma und Stigmatisierung: Hindernisse für eine Psychotherapie

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Stigma und Stigmatisierung: Hindernisse für eine Psychotherapie

PP 14, Ausgabe September 2015, Seite 425

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Das Wissen über psychische Krankheiten und Psychotherapien ist in Europa und außerhalb Europas in den letzten Jahren gestiegen. Dennoch hat sich die Einstellung gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht verbessert, sondern in einigen Fällen sogar verschlechtert, vor allem hinsichtlich der Krankheiten Schizophrenie, Alkoholsucht und Depression. Die Autorinnen schließen daraus, dass die öffentliche Stigmatisierung psychisch Erkrankter weit verbreitet ist und deren Probleme verstärkt. „Die Stigmatisierung geht von bestehenden negativen Stereotypen und Vorurteilen aus und wird teilweise durch die Medien forciert“, sagen sie. Darüber hinaus sorgt die Selbststigmatisierung dafür, dass die Betroffenen ihrer Erkrankung gegenüber negativ eingestellt sind, Scham- und Schuldgefühle empfinden und sich scheuen, über ihre Krankheit zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Um der Diskriminierung psychisch Erkrankter auf gesellschaftlicher Ebene entgegenzuwirken, sind verschiedene Maßnahmen notwendig, etwa die Vermeidung von unreflektierten, abwertenden Äußerungen und der Darstellung psychisch Erkrankter als unberechenbare Gewalttäter. Stattdessen sollten gezielte Aufklärung, positive Rollenvorbilder und direkter Kontakt mit psychisch Erkrankten verstärkt eingesetzt werden. Auch Psychotherapeuten können zur Ent-stigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen, beispielsweise durch Übungen zur Selbstaffirmation und Selbstbestimmung, die die Selbststigmatisierung reduzieren. ms

Aydin N, Fritsch K: Stigma und Stigmatisierung von psychischen Krankheiten. Psychotherapeut 2015; 60: 245–57.

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