ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Gender: Exakte Wortwahl
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In letzter Zeit waren verschiedentlich Beiträge entweder direkt zum Thema „Gender-orientierte Medizin“ im DÄ zu lesen, oder aber der Begriff tauchte in diversen Beiträgen auf.

„Gender“ ist ein Kunstwort, das nicht „Geschlecht“ im medizinischen Sinn bedeutet. Vielmehr gehen die Verfechter der „Gender-Theorie“ davon aus, dass es kein biologisches Geschlecht gibt, sondern lediglich ein „soziales“. Dieses kann nach der „Gender-Theorie“ auch gewechselt werden. „Gender“ ist auch nicht gleichzusetzen mit „sexueller Orientierung“. Bewusst wurde ein quasi-biologischer Begriff gewählt. Nachlesen, woher die Theorie kommt und welche Ideologie dahinter steht, kann man in den einschlägigen Veröffentlichungen (Yogyarta-Prinzipien, Weltfrauenkonferenz Peking 1995). Diese Prinzipien wurden zum Beispiel von einer OSZE-Konferenz 2013 mit großer Mehrheit abgelehnt. In Norwegen wurden nach einer groß angelegten Studie Projekte und Erkenntnisse zum „Gender-Mainstreaming“ als unwissenschaftlich bewertet und staatliche Förderung dafür beendet.

Davon unabhängig, ob man hinter diesen Prinzipien des „Gender-Mainstreaming“ steht oder nicht, kann es doch wohl nicht das Ziel der medizinischen Forschung und Publikation sein, festzustellen oder darauf hinzuweisen, dass es Unterschiede zum Beispiel im Ansprechen auf eine bestimmte Therapie gibt, die vom „sozialen“ Geschlecht, also dem „Gender“, abhängt. Gemeint (und sinnvoll) ist doch wohl das biologische Geschlecht (englisch: „sex“).

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Im Sinn einer wissenschaftlichen Arbeit, denke ich, sollten wir exakt sein in unserer Wortwahl und von „Geschlecht“, „sex“ oder „sexueller Orientierung“ reden beziehungsweise entsprechende Adjektive und Wortkombinationen verwenden und die Ideologie den Ideologen überlassen.

Dass im englischen Sprachraum ebenfalls gerne „gender“ verwendet wird, wenn „sex“ gemeint ist, ist kein Grund, es nicht besser zu machen. Ansonsten machen wir uns unfreiwillig zu Trägern einer Ideologie.

Dr. med. Gernot Steffen, 18581 Lauterbach

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