ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Israelisch-Deutsche Kooperation: Wie Gesichter Vertrauen schaffen

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Israelisch-Deutsche Kooperation: Wie Gesichter Vertrauen schaffen

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Das Gesundheitssystem ist unterfinanziert, Ärzte haben zu wenig Zeit für ihre Patienten, die Leistungsanforderungen wachsen, verdichten sich stetig. Hinzu kommt verbale oder gar körperliche Gewalt gegen Ärzte und das im Berufsstand anhaltende Grundgefühl, dass sich Wertschätzung und Status des Freiberuflers Arzt in der Gesellschaft gegenüber früher deutlich verändern.

Wer jetzt naheliegender Weise annimmt, das alles beziehe sich auf unser deutsches Gesundheitswesen, irrt allerdings. In diesem Fall stammt die Einschätzung vom Präsidenten des Israelischen Ärzteverbandes auf einem Treffen deutscher und israelischer Ärzte: Dr. Leonid Eidelman beschrieb die Situation seines Landes, die Situation der israelischen Ärzte.

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Etwaige Ähnlichkeiten sind rein zufälliger Natur oder typisch allein für diese beiden Staaten? Nein, die Probleme kommen zwar, wie Bundes­ärzte­kammer-Präsident Prof. med. Dr. Frank Ulrich Montgomery ausführte, oft „in anderem Kleid daher“, sind aber auf diesem Globus alles andere als singuläre Erscheinungen. Der Austausch der nationalen Ärzteschaften macht das immer wieder deutlich, bestätigt so den Sinn internationaler Zusammenarbeit.

Dennoch: Dieses Treffen zwischen Israelis und Deutschen war ein besonderes, ein historisches Ereignis. Dr. Eidelman war mit einer Delegation der israelischen Ärzteschaft fünfzig Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland in das Land gereist, dessen Menschen zu Zeiten der NS-Diktatur für den millionenfachen Mord an jüdischen Kindern, Frauen und Männern verantwortlich waren. Die Israelis kamen auf Einladung der Bundes­ärzte­kammer, die bereits 2012 auf dem Ärztetag in Nürnberg ihr tiefstes Bedauern und ihre Verpflichtung ausgedrückt hatte, als Teil der demokratischen Nachfolgegeneration des ehemaligen Nazideutschlands eine besondere ethische Verpflichtung für die Einhaltung von Menschenrechten und ärztlichem Ethos zu leben und dazu beizutragen, dass sich solche Verbrechen an der Menschheit nicht wiederholen.

Dass die israelische Delegation diesen Schritt unternahm, an die Stätte des Völkermordes zurückzukehren, war, so Eidelman im Namen der Delegation, vor allem das Ergebnis von Vertrauen, das die deutschen Ärzte in den vergangenen Jahren auf der Ebene internationaler Zusammenarbeit im Weltärztebund für sich gewinnen konnten. Es sind „diese Gesichter“, diese Personen, die das laut Eidelman „einzigartige“ historische Ereignis ermöglichten.

Deutschlands und Israels Ärzte haben jetzt, fünfzig Jahre nachdem Ben Gurion und Konrad Adenauer einen Neuanfang gewagt haben, in einer gemeinsamen Deklaration angekündigt, in ihrer ethischen Verpflichtung eng zusammenzuarbeiten. Sie wollen ihren Beitrag leisten, dass ärztliche Arbeit, ob in der alltäglichen Praxis im eigenen Land oder im humanitären Einsatz auf internationaler Ebene, ganz im Geiste der Deklaration von Helsinki geschieht.

Aus den Ausführungen der Israelis und Deutschen über gemeinsame Aufgaben und den kontinuierlichen fachlichen Austausch beider Länder kann eine Zukunft entstehen, die – ganz im Sinne der Verpflichtungen aus der Vergangenheit – die Welt humaner macht, dank der Maxime, dass Gesichter Vertrauen schaffen. Vertrauen ist ein wichtiger Ansatz für mehr Menschlichkeit.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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Avatar #84550
gennadij
am Freitag, 11. September 2015, 12:03

Herr

Das ist erfreulich, dass die Menschen nicht nachtragend sind.
Denn: ,5Gott segnet die Freundlichen und Bescheidenen, denn ihnen wird die ganze Erde gehören." Wie im Neues Leben Die Bibel Matthäus 5,5 lehrt Jesus Christus.
Was mich aus Erfahrung auch freut, dass sowohl die Juden als auch die Deutschen den Frieden und Gerechtigkeit zwischen allen Völkern stiften.
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