ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Randnotiz: Gegen das Stigma
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Eine Depression gilt immer noch als eine Krankheit der Schwachen und Überforderten. Nehmen sich bekannte Persönlichkeiten wie der ehemalige Nationaltorhüter der deutschen Fußballnationalmannschaft, Robert Enke, das Leben, hat die Krankheit kurzzeitig eine starke Medienpräsenz. Und dies zeigt durchaus Wirkung, wie eine Umfrage eines internationalen Forschungsprojekts zeigt. Ursprünglich sollte eine Aufklärungskampagne in Leipzig untersucht werden, in deren Rahmen je 1 000 Personen im Juni 2009 und Ende 2010 befragt wurden. Kontrollregion ohne Kampagne war Magdeburg. Zwischen beiden Fragerunden lag der Suizid von Robert Enke, so dass hier die Effekte der Medienberichterstattung untersucht werden konnten.

Die Forscher stellten große Verbesserungen in Wissen und Haltung bezüglich der Depression fest. Die Einschätzung, dass eine Depression eine persönliche Schwäche sei, sank, und die Akzeptanz von professioneller Hilfe stieg. „Deshalb ist davon auszugehen, dass diese durch die Medienberichterstattung zum Suizid von Robert Enke bewirkt worden sind“, vermutet der Leiter der Studie, Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Trotz der Aufklärungserfolge nehmen sich pro Tag in Deutschland rund 30 Menschen das Leben. In den allermeisten Fällen sei eine unzureichend behandelte Depression die Ursache. Dass im Rahmen des Germanwings-Absturzes die Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht diskutiert wurde, habe viele Betroffene verunsichert, die dann weniger Hilfe in Anspruch nähmen, so Hegerl. Die Schweigepflicht schafft Vertrauen zum Therapeuten und die Aufklärung der Bevölkerung baut Vorurteile ab. Beides ist notwendig gegen das Stigma Depression.

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