ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Unabhängige Patientenberatung Deutschland: Künftig in neuer Trägerschaft

POLITIK

Unabhängige Patientenberatung Deutschland: Künftig in neuer Trägerschaft

Dtsch Arztebl 2015; 112(37): A-1458 / B-1231 / C-1203

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mit der Sanvartis GmbH kommt ein Dienstleister zum Zuge, der bisher vor allem als Callcenter im Auftrag der Krankenkassen tätig war.

Foto: Tessa Müller
Foto: Tessa Müller

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wird mit Beginn des Jahres 2016 in die neue Trägerschaft der Sanvartis GmbH übergehen. Die Vergabekammer beim Bundeskartellamt in Bonn hat am 3. September das Verfahren zur Vergabe der Fördermittel für die Patientenberatung bestätigt. Sollten die bisherigen Trägerorganisationen der UPD, der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Sozialverband VdK Deutschland und der Verbund unabhängiger Patientenberatung, wie angekündigt, als unterlegene Bewerber auf weitere Rechtsmittel verzichten, will der GKV-Spitzenverband schnell den Zuschlag an Sanvartis erteilen.

Anzeige

Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, betonte nach der Entscheidung der Vergabekammer, dass man sich bei der Entscheidung für die Sanvartis GmbH im Einvernehmen mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung und anhand der vorher festgelegten und den Verfahrensteilnehmern bekannten Kriterien für das überzeugendste Angebot entschieden habe. „Im Interesse einer kontinuierlichen unabhängigen Patientenberatung wäre es gut, wenn nun von allen die eindeutige Entscheidung anerkannt würde.“

Sanvartis, Dienstleister im Gesundheitswesen, hatte bei einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für die Patientenberatung von 2016 an für sieben Jahre bekommen. Dafür stehen Fördermittel von neun Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Daraufhin hatten die bisherigen UPD-Träger den Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer gestellt.

Zweifel an Unabhängigkeit des Unternehmens

Mit Sanvartis soll ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das bisher eng mit den Krankenkassen zusammengearbeitet hat, bei der Patientenberatung zum Zuge kommen. Das Duisburger Unternehmen ist ein medizinisch ausgerichtetes Callcenter mit mehr als 200 Mitarbeitern. Wegen der Nähe des Unternehmens zu den Krankenkassen waren Befürchtungen laut geworden, die Unabhängigkeit der Patientenberatung sei in Gefahr, da es bei den Beratungen auch sehr häufig um Beschwerden gegen Krankenkassen gehe. So hatten Bundes­ärzte­kammer, Bundeszahnärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung in einer gemeinsamen Stellungnahme kritisiert, dass „hier eine etablierte, anerkannte und mitunter den Krankenkassen unbequeme Patientenberatung zu einem willfährigen Dienstleister auf der Lohnliste der Krankenkassen umfunktioniert“ werde.

Die Sanvartis GmbH weist diese Kritik zurück. Die Patientenberatung soll durch eine noch zu gründende gemeinnützige UPD GmbH durchgeführt werden, so dass jegliche inhaltliche Einflussnahme ausgeschlossen sei. „Ein umfangreiches Regelwerk wird sicherstellen, dass die Sanvartis GmbH keinen Zugriff auf die UPD, deren Geschäftsführer und Mitarbeiter oder deren Daten und das IT-System haben wird. Außerdem ist eine umfassende kontinuierliche Überwachung durch eine neutrale Kontrollinstanz vorgesehen“, heißt es in der Stellungnahme. Dort wird auch auf den Beschluss der Vergabekammer verwiesen, wonach die Sanvartis GmbH mit dem von ihr angebotenen Konzept die Voraussetzungen an die Unabhängigkeit und Neutralität im Sinne des § 65b SGB V sowie die weiteren Anforderungen der Leistungsbeschreibung erfülle. Das Unternehmen betont, dass man die Beratung vor Ort deutlich ausbauen werde. Diese werde nicht durch ungelernte Callcenter-Agents, sondern durch Ärzte, Rechtsanwälte, Medizinische Fachangestellte und weitere Experten mit langjähriger Berufserfahrung durchgeführt. In jedem Gespräch sei die inhaltliche Unabhängigkeit und Neutralität garantiert.

Thomas Gerst

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige