ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Kindergesundheit: Mehr Mut, Nein sagen zu können

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Kindergesundheit: Mehr Mut, Nein sagen zu können

Nolte, Stephan Heinrich

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Ein Buch, welches jeder Kinderarzt gerne schreiben wollte – dieser Satz aus einer Rezension gibt wieder, wie groß die Zustimmung der Kinder- und Jugendärzte zu den von Michael und Regine Hauch in „Kindheit ist keine Krankheit“ entwickelten Gedanken ist.

Werden in Deutschland pädagogische und soziale Probleme mit dem Rezeptblock gelöst? Fast die Hälfte aller Jungen und fast ein Drittel aller Mädchen werden im Kindesalter einer Therapie zugeführt. Die Zahlen der Logopäden und Ergotherapeuten haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Wächst der Förderbedarf der Kinder oder nur die Wahrnehmung sprachlicher und motorischer Auffälligkeiten? Die zunehmende und politisch gewollte Institutionalisierung der Kindheit mit der ihr innewohnenden Eigengesetzlichkeit setzt Erzieher unter Druck, Kinder zu bewerten und Auffälligkeiten, die eher dem individuellen Entwicklungstempo und dem normalen Spektrum entsprechen, Therapien zuzuführen. Täglich setzt man sich mit diesen Anforderungen auseinander. Die Nebenwirkungen wie die, dass die Kinder ein Störungsbewusstsein entwickeln, dass eine Verordnung einer Diagnose bedarf und dass diese Diagnose sich eines Tages, etwa bei der Berufswahl, verheerend auswirken kann, werden in dem (Über-)Förderungswahn nicht bedacht. So wird eine ganze Generation chronisch krankgeschrieben.

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Was ist zu tun? Bevor der Arzt zur Verordnung schreitet, sollte er den Therapiewunsch hinterfragen und bei ungerechtfertigten Verordnungswünschen „Nein“ sagen können. Auch dazu gibt es in dem Buch beherzigenswerte Anregungen. Da es auf pädagogischer Ebene weit weniger „niedrigschwellige“ Angebote als auf therapeutischer Ebene gibt, enden im Alltag end- und fruchtlose Diskussionen schließlich damit, dass die Kinder willfährigeren Ärzten vorgestellt werden.

Stephan Heinrich Nolte

Michael Hauch, Regine Hauch: Kindheit ist keine Krankheit. Fischer, Frankfurt 2015, 316 Seiten, kartoniert, 14,99 Euro

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