ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2015Sterbehilfe: Umfassend und treffend
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Im oben genannten Beitrag wurden die vier Gesetzentwürfe zur Regelung der Suizidbeihilfe umfassend und treffend dargestellt. Hierbei, wie auch in den Gesetzentwürfen, wurde zumindest implizit davon ausgegangen, dass es sich bei der Suizidbegleitung um Personen handelt, die starkem Leid ausgesetzt sind.

Dass dies nicht immer zutrifft, zeigt der Fall der britischen Krankenschwester Jill Pharaoh, die am 21. Juli 2015 in der Baseler Stiftung „Eternal Spirit“ in den Tod begleitet wurde. „Begleitet“ in den Worten der Stiftung heißt, „dass das Mitglied sich das von einem Arzt verschriebene Medikament in tödlicher Dosis selbst zuführt“. Abgesehen von einem ausgestandenen Herpes zoster war Frau Pharaoh kerngesund und nahm keine Medikamente zu sich. Es gab auch keinen Hinweis, dass die Expertin in der Behandlung älterer Menschen an einer Depression oder einer anderen psychischen Störung litt. Sie habe einfach gespürt, sagte sie, dass ihre Kräfte in einer „fast unbemerkbaren Art und Weise“ nachlassen würden und sie „der Gesellschaft nicht zur Last fallen wolle.“ Laut Aussage ihres Lebenspartners John Southall hat Frau Pharaoh seit mehr als 20 Jahren regelmäßig über ihren geplanten Suizid gesprochen.

Über die Motive von Frau Pharaoh kann man nur spekulieren. Wie die Palliativmedizinerin und Mitglied des britischen Oberhauses Baroness Findlay von Llandaff kommentierte: „mutet [es] seltsam an, dass jemand, der völlig gesund ist, eine Krankenschwester mit Kenntnissen über Medikamente und deren Bezugsquellen, die über alle Möglichkeiten, sich das eigene Leben zu nehmen, informiert ist, sich dennoch entscheidet, so viel Geld auszugeben, um ihr Leben auf diese Art und Weise zu beenden. Es ist, als ob sie die größtmögliche Aufmerksamkeit sicherstellen wollte.“

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Wie der Fall von Frau Pharaoh zeigt, gibt es keine objektiven Kriterien, die die „Tauglichkeit“ einer Person für eine ärztliche Suizidbegleitung bestimmen lassen. Dieser beunruhigende Fall gibt denjenigen Nahrung, die bei Zulassung des ärztlich assistierten Suizids, in welcher Art auch immer, einen Dammbruch befürchten. In der Musterberufsordnung der Bundes­ärzte­kammer steht, dass es nicht zu den ärztlichen Aufgaben gehört, Sterbehilfe zu leisten. Dabei muss es bleiben, um solche Fälle auch bei uns in Zukunft zu vermeiden.

Prof. Dr. med. Paul Cullen, 48163 Münster

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