ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2015Online-Consilium: Expertise bei schwierigen Fällen von Tuberkulose

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Online-Consilium: Expertise bei schwierigen Fällen von Tuberkulose

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Tägliche Medikamentendosis eines MDR-Tuberkulosepatienten. Foto: C. Lange/FZB
Tägliche Medikamentendosis eines MDR-Tuberkulosepatienten. Foto: C. Lange/FZB

Die Anzahl der Patienten, die an einer multiresistenten (engl. multidrug-resistant, MDR) oder extensiv-resistenter (engl. extensively drug-resistant, XDR) Tuberkulose erkranken, ist in den letzten Jahren rasant angestiegen: Laut Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sind allein im Jahr 2013 480 000 neue M/XDR-Tuberkulose-Fälle aufgetreten. Nur ein kleiner Teil dieser Fälle wird wirklich gemeldet und ein noch kleinerer Teil angemessen behandelt. Dabei ist speziell bei diesen Fällen eine adäquate Behandlung äußerst wichtig: „Neue Untersuchungen konnten zeigen, dass die Heilungschancen bei M/XDR-Tuberkulose weltweit nur bei circa 1/3 bis 2/3 aller Fälle liegt. Die verfügbaren Zweitlinien-Medikamente sind mit häufig auftretenden und bisweilen schwerwiegenden Nebenwirkungen assoziiert und weniger effektiv als die Erstlinien-Medikamente“, betont Prof. Dr. med. Christoph Lange, Leiter der Klinischen Infektiologie an der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel und Initiator des Online-Consiliums. „Im Gegensatz zu den sechs Monaten bei unkomplizierten Tuberkulosefällen empfiehlt die WHO derzeit eine Therapiedauer von mindestens 20 Monaten für die Behandlung von Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose. Mit maßgeschneiderten Therapiekonzepten können die Heilungschancen für die Patienten deutlich verbessert werden.“

Um diese Patienten optimal zu therapieren, hat das Forschungszentrum Borstel mit finanzieller Unterstützung des Bun­des­for­schungs­minis­teriums am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ein M/XDR-Tuberkulose-Consilium eingerichtet, das seit April unter http://dzif.fz-borstel.de online ist. Über diese Online-Plattform haben Ärzte und Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitswesens die Möglichkeit, ihre Fälle einzureichen und sich für die weitere Behandlung Expertenrat einzuholen. Nach der Registrierung und der Freischaltung durch den Administrator der Webseite kann der Fall über einen gesicherten Zugang eingereicht werden. Neben der Anamnese und der Medikation können auch Röntgenbilder und Videos zur Begutachtung hinterlegt werden. „Das Consilium-Team besteht aus klinischen Infektiologen, Pneumologen, Chirurgen, Mikrobiologen und Mitarbeitern des öffentlichen Gesundheitswesens. Wir bemühen uns, die eingereichten Fälle schnellstmöglich zu beantworten und innerhalb von 72 Stunden eine kompetente Antwort zu geben“, erläutert Dr. med. Jan Heykendorf, Mitglied des Expertenteams und Koordinator des Online-Consiliums.

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Zusätzlich gibt es einen rund um die Uhr verfügbaren telefonischen Beratungsservice des DZIF zu Tuberkulose und zu Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien (TBinfo: 0 45 37–18 80). Außerdem trifft sich das M/XDR-Tuberkulose Consilium mindestens einmal jährlich zum fachlichen Austausch. EB

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