ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2015Chronische Hepatitis C: Interferon- und Ribavirin-Freie Therapie für Genotyp 1

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Hepatitis C: Interferon- und Ribavirin-Freie Therapie für Genotyp 1

Warpakowski, Andrea

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Noch vor kurzem galt eine HCV-Therapie aus pegyliertem Interferon, Ribavirin und einem Proteasehemmer (24–28 Wochen) als Standard für Patienten mit HCV-Genotyp-1-Infektion. Inzwischen gibt es orale, Interferon-freie Regime, die nur 12–24 Wochen eingenommen werden und bei verschiedenen HCV-Genotypen mit und ohne Ribavirin angewandt werden können.

Für den in Europa am häufigsten HCV-Genotyp 1b wurde in einer Phase-III-Studie mit dem NS5A-Replikationskomplex-Hemmer Daclatasvir und dem NS3-Proteasehemmer Asunaprevir ein weiteres Interferon- und Ribavirin-freies Therapieregime an drei verschiedenen Patientengruppen (n = 752) in mehreren Studienarmen untersucht. Insgesamt 307 therapienaive Patienten erhielten im Verhältnis 2 : 1 zwölf Wochen lang einmal täglich 60 mg Daclatasvir und zweimal täglich 100 mg Asunaprevir (n = 205) oder Placebo (n = 102). Nach zwölf Wochen wurden die Verum-Patienten bis Woche 24 weiter mit Daclatasvir plus Asunaprevir weiterbehandelt und die Placebo-Patienten in eine andere Daclatasvir/Asunaprevir-Studie aufgenommen. 205 vorherige Nonre-sponder und 235 Patienten mit einer Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber Interferon wurden 24 Wochen lang offen mit einmal täglich 60 mg Daclatasvir und zweimal täglich 100 mg Asunaprevir behandelt. Der primäre Endpunkt war das anhaltende virologische Ansprechen zwölf Wochen nach Therapieende (sustained virological response week; SVR12), was einer Heilung entspricht.

Von den therapienaiven Patienten erreichten 90 %, von den Nonrespondern 82 % und von den Patienten mit Interferon-Kontraindikation oder -Unverträglichkeit ebenfalls 82 % eine SVR12. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten in den drei Patientengruppen bei 6 %, 5 % bzw. 7 % auf und unerwünschte Ereignisse, die zum Behandlungsabbruch führten, bei 3 %, 1 % und 1 %. Nebenwirkungen der Schweregrade 3 und 4 waren selten, die Rate der – meist vorübergehenden – ALT- und AST-Erhöhungen Grad 3 und 4 in den ersten zwölf Wochen Therapie betrug jeweils ≤ 2 % unter Daclatasvir plus Asunaprevir und Placebo.

Fazit: „Die Kombination Daclatasvir plus Asunaprevir stellt im Vergleich zu den bereits zugelassenen Tripletherapien Sofosbuvir oder Simeprevir plus pegyliertes Interferon/Ribavirin eine gute Therapieoption für den HCV-Genotyp 1b dar, da die SVR12-Raten mindestens vergleichbar oder sogar höher waren“, kommentiert Prof. Dr. med. Jörg Petersen, Hepatologe am Hamburger ifi-Institut für interdisziplinäre Medizin. „Andere Interferon-freie Regime erzielen jedoch mit einer zwölfwöchigen Therapie SVR12-Raten von 94–99 % beim HCV-Genotyp 1b.“ Daclatasvir plus Asunaprevir werden zurzeit in Kombination mit einer dritten Substanz, einem nicht-nukleosidischen Polymerasehemmer, als zwölfwöchige Tripletherapie mit und ohne Ribavirin entwickelt. „Erste Phase-III-Daten zur Dreierkombination ergaben, je nach Vortherapie und Genotyp 1a oder 1b, SVR12-Raten von 86–100 %“, sagte Petersen. Daclatasvir ist in der Europäischen Union zugelassen für die Kombinationstherapie, Asunaprevir ist noch nicht zugelassen. Andrea Warpakowski

Manns M, Pol S, Jacobson IM, Marcellin P, Gordon SC, et al.: All-oral daclatasvir plus asunaprevir for hepatitis C virus genotype 1b: a multinational, phase 3, multicohort study. Lancet 2014; 384: 1597–605.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote