ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2015Datenaustausch per KV-SafeNet: Vernetzt denken und handeln

Supplement: PRAXiS

Datenaustausch per KV-SafeNet: Vernetzt denken und handeln

Dtsch Arztebl 2015; 112(38): [8]

Krüger-Brand, Heike E.

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Die niedergelassenen Ärzte können inzwischen auf ein breites Spektrum von Anwendungen im sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen zugreifen.

Foto: iStockphoto
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Während der flächendeckende Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur nur mühsam vor-ankommt, gewinnt das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (SNK) als Kommunikationsinfrastruktur im ärztlichen Alltag zunehmend an Bedeutung. Das SNK ist ein vom Internet getrenntes virtuelles privates Netzwerk (VPN). Es steht mit einer großen Palette an Anwendungen nur Ärzten beziehungsweise berechtigten Nutzern zur Verfügung – inzwischen sind das rund 65 000 registrierte Teilnehmer, berichtete Stefan Holtkamp, Referatsleiter bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bei einer Regionalveranstaltung des Aktionskreises eHealth der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.V. Damit sei es inzwischen das größte Gesundheitsnetzwerk hierzulande, das sich zum Standard für die Kommunikation von Sozial- und Patientendaten entwickelt habe. Das Ziel für das SNK mit der Anbindungslösung KV-SafeNet sei, medizinische Daten sicher zu übermitteln, erläuterte Holtkamp. Das SNK sei daher kein Selbstzweck, sondern diene dazu, „die gesetzliche Verpflichtung der KV-Mitglieder zur Einhaltung von Datenschutz und Datensicherheit zu unterstützen“.

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Die Mehrwertanwendungen im SNK lassen sich Holtkamp zufolge in drei Kategorien einteilen:

□ Dokumentationssysteme: Hierzu zählen etwa Onkologie-Dokumentationen und das Mammographie-Screening

□ Datenannahmesysteme: Beispiele sind die KV-Online-Abrechnung und PAD-Transfer (Privatabrechnung)

□ Rückmeldesysteme: Beispiele sind BD-Online (Organisation des Bereitschaftsdienstes der Ärzte) und das Praxis-Benchmarking.

Eine weitere Anwendung ist beispielsweise das Medikationsplan-Management, das derzeit im Rahmen des Modellvorhabens ARNIM in Sachsen und Thüringen erprobt wird. Dabei geht es darum, die Medikationsdaten von Patienten über einen Server für Ärzte und Apotheken zugänglich zu machen und zu analysieren. „Das Besondere: Zum ersten Mal mussten wir im Rahmen des Projekts auch Nicht-Ärzte – nämlich Apotheken – an das SNK anbinden“, betonte Holtkamp. Ziel sei es, Verbesserungen in der Versorgung beziehungsweise in der Medikamentierung der Patienten zu erreichen. Darüber hinaus nutze auch das Krebsregister NRW KV-SafeNet zur Datenübertragung über die Meldesoftware EpiCan.

Multitalent KV-Connect

Im Rahmen des SNK spielt KV-Connect eine besondere Rolle. „Das ist vereinfacht dargestellt die E-Mail im sicheren Netz der KVen“, erläuterte Gilbert Mohr, IT-Experte der KV Telematik GmbH, Berlin, und der KV Nordrhein. Der sichere E-Mail-Dienst, der von der Tochtergesellschaft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelt wurde, zeichne sich durch eine eigene Public-Key-Infrastruktur (PKI) und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aus und lasse sich über Schnittstellen in die jeweiligen Praxis-EDV-Systeme integrieren, betonte Mohr. Das E-Mail-System wird den Softwarehäusern kostenfrei zur Verfügung gestellt, damit diese es in ihre Programme einbauen. Die Kosten dafür legen die Softwarehäuser in der Regel auf ihre Kunden um. „Sicherheit ist eben nicht kostenlos zu haben“, meinte Mohr. „Wer sichere Systeme haben will, muss spezifizieren und zertifizieren, und das kostet Geld.“

Zu den bereits seit mehreren Jahren etablierten KV-Connect-Anwendungen zählt die 1-Click-KV-Abrechnung, die bereits von allen Praxishäusern in die Systeme eingebaut wurde. Allerdings wird sie nur einmal im Quartal benötigt, daher hat unter anderem die KV Nordrhein zusätzlich eine Testabrechnung integriert, um die Nutzung unter den Ärzten durch einen Mehrwertdienst anzukurbeln.

Die zweite Anwendung, die vor einem halben Jahr spezifiziert und mit einem Zertifizierungsverfahren versehen wurde, ist der elektronische Arztbrief. Dieser könnte durch das geplante E-Health-Gesetz einen besonderen Schub erhalten, denn bis zur Verfügbarkeit der Tele­ma­tik­infra­struk­tur soll er über das KV-SafeNet im SNK versandt und extra vergütet werden. Das Gesetz, das derzeit das parlamentarische Verfahren durchläuft, sieht vor, dass niedergelassene Ärzte ab Anfang 2016 je Brief 55 Cent über eine entsprechende EBM-Ziffer erhalten. Ab Juli 2016 sollen die Krankenhäuser zudem jeweils einen Euro für den Versand eines elektronischen Entlassbriefes und der empfangende niedergelassene Arzt 50 Cent erhalten.

Weitere KV-Connect-Anwendungen sind die E-Nachricht, eine klassische E-Mail-Funktionalität, und elektronische Disease-Management-Programme (eDMP). Ab dem vierten Quartal 2015 werden die großen Datenannahmestellen in Leipzig und Bamberg die Daten mit KV-Connect entgegennehmen können, kündigte Mohr an. Hinzu kommen der elektronische Datenaustausch mit der gesetzlichen Unfallversicherung (Dale-UV) sowie Dokumentationsanwendungen, wie Hautkrebsscreening sowie Dialyse- und Koloskopiedokumentation, für die erst kürzlich die Spezifikationen abgeschlossen worden sind.

Die elektronische Abrechnung mit den privatärztlichen Verrechnungsstellen (ePVS), der Labordatenaustausch über die neue Schnittstelle LDT 3.0 und die sektorübergreifende Qualitätssicherung (sQS), etwa in der Kardiologie für Koronarangiographien und perkutane Interventionen (QS-PCI) sowie für das ambulante Operieren, sollen künftig ebenfalls über KV-Connect verfügbar sein. Der LDT 3.0 soll Mohr zufolge ab Anfang 2016 als Kommunikationsstandard für den Labordatenaustausch verfügbar sein und ab Anfang 2018 obligatorisch per KV-Connect werden. „Es kommt ein Riesenportfolio an Anwendungen für KV-Connect im sicheren Netz der KVen, da ist für jeden etwas drin“, betonte Mohr.

Auf der Website der KV Telematik GmbH (www.kv-telematik.de/audit) ist nachzulesen, in welchen Praxissoftwaresystemen welche Anwendungen bereits umgesetzt sind. Die Softwarehäuser müssen dabei gegenüber der KV Telematik GmbH in speziellen Audits nachweisen, dass sie die verlangten Qualitätsanforderungen auch einhalten.

Bestandsschutz zugesagt

Das SNK soll darüber hinaus an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI), die demnächst in zwei Testregionen erprobt werden soll, angebunden werden. „Alles, was im SNK vorher an Anwendungen erreicht wird, ist auch dann verfügbar, wenn die TI kommt. Technisch ist das ein Migrationsweg, der ohne Friktionen erfolgt“, versicherte Mohr. Die Erreichbarkeit der SNK-Dienste sei Teil der Erprobung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur.

Auch die elektronischen Behandlungsinformationen (eBI), die im Rahmen eines Projekts der Knappschaft Bahn-See erprobt werden, sollen künftig im Rahmen des SNK übermittelt werden. Dabei geht es zunächst vor allem um eine verbesserte Arzneimitteltherapie. Fünf bis zehn Prozent der Krankenhauseinweisungen gehen Studien zufolge auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurück, davon wären etwa 50 Prozent vermeidbar, wenn keine Medienbrüche vorhanden wären, erläuterte Markus Weiß, Knappschaft Bahn-See, Bochum. Gerade die Schwelle ambulant – stationär sei für die Arzneimitteltherapie wichtig, dort seien mit Informations- und Kommunikationstechnologie Übergänge zu schaffen. Bereits seit zwei Jahren werden im Projekt eBI die Routinedaten der Krankenkassen (Arzt-, Krankenhaus- und Apothekenabrechnungsdaten) genutzt, um den Krankenhausarzt mit Informationen in der Anamnese zu unterstützen. Der Arzt erhält hierzu von der Krankenkasse bei der stationären Aufnahme eines Versicherten einen mehrseitigen Papierausdruck mit den behandlungsrelevanten Informationen. Hierzu zählen etwa Angaben zu den jeweiligen ambulant behandelnden Ärzten, den verordneten Arzneimitteln, den bekannten Erkrankungen und die Daten früherer Kranken­haus­auf­enthalte. Über eine Kooperation mit der KV Telematik GmbH wird das Projekt auch auf die niedergelassenen Ärzte ausgedehnt, um die Arzneimitteltherapie und das Entlassmanagement durch einen verbesserten Informationsfluss zu optimieren. An dem Projekt beteiligen sich derzeit 34 Krankenhäuser und vier Testpraxen, 200 000 Versicherte seien in das Programm eingeschrieben, berichtete Weiß.

„Vernetzung ist immer etwas, das mit Nebenwirkungen verbunden ist“, lautete das Fazit von Rüdiger Wehrmann, Mitarbeiter beim Hessischen Datenschutzbeauftragten. Die Argumentation, der NSA komme an alle Daten heran, helfe nicht weiter, denn große Bereiche würden dadurch unterminiert. „Die Frage ist: Wieviel Unsicherheit, wieviel Risiko will man tragen?“ Aus Sicht des Datenschützers ist daher die Zertifizierung, die beispielsweise die KBV mit dem KV-Safenet betreibt, letztlich wohl „der einzige Ansatz, mit dem man ein vernünftiges Maß an Vertrauen in die eingesetzte Technik bringen kann“. Heike E. Krüger-Brand

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