ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2015Aktienmarkt: Chinas Wirtschaft schwächelt

SUPPLEMENT: PRAXiS

Aktienmarkt: Chinas Wirtschaft schwächelt

Dtsch Arztebl 2015; 112(38): [30]

Fischer, Leo

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Die Volksrepublik erlebt den stärksten Kurseinbruch seit Jahren. Staatliche Instanzen versuchen, die Börsen zu stabilisieren. Die Folgen spüren auch deutsche Anleger.

Foto: Fotolia/nerthuz
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Jahrelang kannten die chinesischen Börsenkurse nur eine Richtung: nach oben. Doch mit dem Sommer 2015 scheint dies vorbei zu sein. Der Leitindex, der CSI 300, der 300 Aktien der Börsen von Schanghai und Shen-zhen enthält, hatte im Frühsommer ein langjähriges Hoch von 5 380,43 Punkten erreicht. Seither fiel er um rund 40 Prozent. Trotz staatlicher Kursstützungsmaßnahmen gelang es nicht, die Börsen in China zu beruhigen. Die Turbulenzen haben weltweite Auswirkungen, vor allem in Asien, aber auch in Deutschland. Der deutsche Aktienindex DAX fiel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende Januar 2015. Mit Sorge blickt man in den USA, Europa und vor allen Dingen in den chinesischen Nachbarländern auf die Turbulenzen an den Börsen von Schanghai und Shenzhen.

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Unmittelbarer Auslöser der Kurseinbrüche ist wohl die Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung. In China herrscht die Befürchtung, dass das Wachstumsziel von sieben Prozent, das die Regierung ausgegeben hatte, nicht gehalten werden kann. Schon die sieben Prozent werden wie ein Konjunktureinbruch wahrgenommen, waren in der Vergangenheit doch zweistellige Zuwächse an der Tagesordnung. Selbst die sieben Prozent wären das schwächste Wachstum seit 25 Jahren, aber mittlerweile gehen die Experten davon aus, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr sogar real sinken wird. Im ersten Halbjahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt Chinas um sechs Prozent. Selbst die scheinen für die nächsten sechs Monate also illusorisch. Das dürfte nicht ohne Folgen für die Weltwirtschaft bleiben, denn China war in den vergangenen Jahren so etwas wie die Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft. Nun droht das Land als Bremse zu wirken.

Für Unruhe unter den Investoren sorgte vor allem die dreimalige Abwertung der chinesischen Währung am 11., 12. und 13. August um jeweils 1,9, 1,6 und 1,1 Prozent; hatte es bei der ersten Abwertung doch geheißen, dies sei ein einmaliger Schritt. Die Abwertungen gelten als Beleg dafür, dass die chinesische Wirtschaft schweren Zeiten entgegengeht. Denn mit der Abwertung wollten die Behörden die ins Straucheln geratene Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen.

Analysten befürchten, dass die drei China-Abwertungen zu einem Abwertungsrennen in Asien führen könnten (Beggar-thy-Neighbor-Politik) mit katastrophalen Auswirkungen auf den internationalen Handel.

Die Abwertungen scheinen ein Hinweis für die Konjunkturschwäche zu sein, und die Investoren reagierten panikartig. Selbst staatliche Kursstützungsmaßnahmen verpufften wirkungslos. Die People’s Bank of China senkte zur Kursstabilisierung die Leitzinsen auf ein Rekordtief und untersagte neue Börsengänge, die den Märkten weitere Liquidität hätten entziehen können. Die Börsenaufsicht kaufte selbst Aktien an, die Mittel dafür stellte die Notenbank bereit.

Die internationalen Fondsmanager sind offenbar davon überzeugt, das China auch andere Schwellenländer mit in den Abgrund ziehen könnte. Derzeit sind die Fonds in den Schwellenländern untergewichtet, und es wird befürchtet, dass die Fonds Milliardenbeträge aus diesen Ländern abziehen könnten. Schon in den letzten 13 Monaten haben nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ die Schwellenländer 940 Milliarden US-Dollar an Anlagegeldern verloren.

Ein Crash in China trifft auch Deutschland. 2,5 Prozent der deutschen Exporte gehen nach China. Das mag auf den ersten Blick nicht besorgniserregend viel sein, aber nur Australien und Japan sind im Export stärker von China abhängig. VW liefert mehr als ein Drittel seiner Autos nach China. Der Deutsche Aktienindex DAX, der in diesem Jahr ein Hoch von 12 390,75 erreicht hatte, dümpelt derzeit um die Marke von 10 000. Viele Experten zweifeln, dass diese Linie halten wird.

Der Kurseinbruch in Schanghai und Shenzhen mag den langfristigen Investor nicht so sehr tangieren. Immerhin startete der Index am 31. Dezember 2004 bei 1 000 Punkten, hatte sich also zwischenzeitlich verfünffacht. Einigermaßen gelassen können auch die Anleger in China-Investmentfonds die Kursturbulenzen betrachten. Über die letzten fünf Jahre erzielten die in China investierenden Investmentfonds Wertzuwächse von mehr als 60 beziehungsweise 80 Prozent, in Euro und US-Dollar wohlgemerkt. Über zehn Jahre erwirtschafteten einige Fonds Wertzuwächse von mehr als 200 Prozent. Der in Euro notierende Allianz China Funds A, der auch in Hongkong investiert, brachte es in Euro auf ein Plus von mehr als 186 Prozent.

Die letzten Wochen haben jedoch bei allen China-Fonds deutliche Spuren in der Performance hinterlassen. Für die letzten Monate weisen die meisten Aktienfonds Minuszeichen auf, die sich aber überwiegend im einstelligen Bereich bewegen. Im Zwei-Monats-Vergleich reichen sie bis rund zwölf Prozent. Dr. Leo Fischer

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