ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2015Praxisführung: Zufriedenes Personal ist Gold wert

SUPPLEMENT: PRAXiS

Praxisführung: Zufriedenes Personal ist Gold wert

Dtsch Arztebl 2015; 112(38): [21]

Monning, Andreas

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Mit dem Praxisteam stehen und fallen Praxisorganisation und Patientenbetreuung. Als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, wird in Zeiten von Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen zudem auch für Praxisinhaber immer wichtiger.

Foto: iStockphoto
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Fragt man Beschäftigte in Arztpraxen nach Wünschen an ihren Arbeitgeber, steht an erster Stelle nicht das Geld, sondern die Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit mit den Patienten. Das gilt nicht nur für Medizinische Fachangestellte (MFA), auch angestellte Ärzte haben diese Prioritäten. Erst danach kommt das Gehalt – das natürlich angemessenen sein soll. So lautet das Ergebnis einer Umfrage, die das Gesundheitsnetz QuE Nürnberg Ende 2014 unter 69 Praxisteams seiner Mitgliedspraxen durchgeführt hat.

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„Oft sind es Kleinigkeiten die dafür sorgen, dass sich Praxisangestellte an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen“, weiß Sabine Ridder, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe (VMF), aus vielen Gesprächen mit Verbandsmitgliedern. Während der Praxisöffnungszeiten werde hoch konzentriert gearbeitet, das mache die Möglichkeit für ausreichend kurze Pausen zwischendurch wertvoll. Bekämen Mitarbeiter die Möglichkeit dazu, spürten sie, dass ihr Arbeitgeber die Anforderungen an ihre Tätigkeiten erkenne und wertschätze. In dem Kontext seien ein angenehmer Pausenraum und die Bereitstellung von Getränken sowie einer Kaffeemaschine unspektakulär, aber hoch willkommen. Geschätzt würden auch gemeinsame Pausen des Teams. Ist das im Praxisablauf nicht täglich möglich, gibt es eine alternative Lösung: „In der Woche ein fester Tag, an dem die Zeit für eine gemeinsame Pause eingeplant wird.“

Oft mit wenig Aufwand

Auch an anderer Stelle lassen sich aus ihrer Sicht Arbeitsbedingungen oft mit wenig Aufwand optimieren. Immer wieder erwähnt würde etwa der Wunsch nach einem ergonomischen Schreibtischstuhl und einer angemessenen Ausleuchtung des Arbeitsplatzes. „Auch das Bereitstellen von Berufskleidung einschließlich der Schuhe ist mehr als eine Umsetzung des Manteltarifvertrags und der Corporate Identity der Praxis: Es unterstützt das Wohlbefinden von Mitarbeitern“, betont die Verbandssprecherin. Eine Schale mit Obst bei Teambesprechungen signalisiere kollegiale Wertschätzung, und nicht wenige Mitarbeiter freuten sich, wenn wenigstens einmal im Jahr ein gemeinsames Treffen zu einem Theater- oder Kinobesuch stattfände. „Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Zum Geburtstag einen Strauß Blumen zu bekommen werde als wertvolle Geste persönlicher Anerkennung erlebt.

Darüber hinaus gibt es für den Praxisinhaber noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, für Zufriedenheit unter den Mitarbeitern zu sorgen – und letztlich als guter Arbeitgeber zu gelten. Viele lassen sich mit überschaubarem finanziellen oder organisatorischen Aufwand realisieren, nicht wenige sind kostenfrei. „Angestellte in Praxen haben eine hohe Identifikation mit ihrem Arbeitsplatz“, erläutert Ridder. Viele sprächen symbolisch von „ihrer“ Praxis und „ihren“ Patienten. Das verleihe einem respektvollen, achtsamen Umgang mit ihnen besondere Bedeutung. „Die meisten Praxismitarbeiter übernehmen Mitverantwortung, gehen mit Herzblut ihrer Arbeit nach und engagieren sich“, so die Verbandssprecherin.

Im Sinne einer beruflichen Entwicklung mit Aufstiegsmöglichkeiten werde es von Praxismitarbeitern beispielsweise hoch anerkannt, wenn der Praxisinhaber Weiterbildungen und Aufstiegsmöglichkeiten finanziell unterstütze und während der Arbeitszeit ermögliche. „Das Einbeziehen in Beratungen und das Beachten ihrer Kompetenzen in Entscheidungsprozessen erleben Mitarbeiter grundsätzlich als sehr motivierend“, meint Ridder. Nutze ein Arzt auch die erweiterten Delegationsmöglichkeiten an die MFA, zeige er damit Achtung vor ihrer Kompetenz und Vertrauen in ihre Arbeit. Auf diesem Wege erführen diese Mitarbeiter ein mehrfaches Plus an Anerkennung für ihre Arbeit: Auf der einen Seite eine erhöhte Wertschätzung durch die Patienten, auf der anderen Seite durch ein Lob oder ein Dankeschön vom Arzt, das hier als besonders wohltuend erlebt werde. Darüber hinaus könnte eine zunehmend genutzte Form der Anerkennung auch sein, Mitarbeiter am Umsatz außerbudgetär erbrachter Leistungen zu beteiligen. Auch das steigere deren Zufriedenheit und Engagement.

Gesund­heits­förder­ung

Auch im Hinblick auf Gesund­heits­förder­ung kann ein Praxisinhaber viel für seine Mitarbeiter tun. „Selbst im Kleinbetrieb der Praxis lohnen sich Mitarbeiterbindung und Förderung“, ist Sabine Ridder überzeugt. Besonders positiv auf die Mitarbeiter wirke, sie nicht nur zu ermutigen, etwas für ihre Gesunderhaltung zu tun, sondern sich als Arbeitgeber auch am Beitrag zum Sportstudio zu beteiligen. Gemeinsame sportliche Aktivitäten des Praxisteams anzuregen und zu ermöglichen, wird ihr zufolge ebenfalls als willkommene Stärkung des „Wir-Gefühls“ geschätzt.

Nicht selten ist es für den Praxisinhaber auch sinnvoll, tiefer in die Tasche zu greifen oder mehr organisatorischen Aufwand zu betreiben: Meistens sind es lohnende Investitionen ins Betriebsklima. Einen entscheidenden Beitrag für eine gute Grundstimmung unter seinen Mitarbeitern leistet ein Arzt beispielsweise, wenn er ausreichend Personal beschäftigt, sich die Arbeit auf ausreichend viele Schultern verteilt und Überstundenregelungen bestehen. Auch das Einhalten von Arbeitsschutz- und Sicherheitsmaßnahmen, also etwa das Verwenden sicherer Instrumente, sorgt für eine gesunde Arbeitsumgebung und unterstützt das Personal bei seiner anspruchsvollen Tätigkeit. Sabine Ridder: „Die Mitarbeiter sind zufrieden, wenn es in ,ihrer‘ Praxis nach Vorschrift läuft und sie entspannt ihre Arbeit tun können.“ Deshalb sollten die Arbeitsräume auch nicht nur an die Bedürfnisse der Patienten angepasst, sondern auch so gestaltet sein, dass sie den Mitarbeitern optimale Arbeitsabläufe ermöglichen.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Thema, das – gut gelöst – für Entspannung bei den betreffenden Mitarbeitern sorgt – und damit im ganzen Team. Ein Arzt, der Arbeitszeitkonten sowie Gleit- und Teilzeit ermögliche, bei Erkrankung eines Kindes den Betroffenen bei der Beschaffung von Betreuungsmöglichkeiten oder auch grundsätzlich bei der Suche nach einer Nachmittagsbetreuung unterstütze sowie persönliche Bedürfnisse bei der Dienstplangestaltung berücksichtige, habe im ganzen Team einen Stein im Brett, ergänzt die Verbandssprecherin.

Mitsprache erwünscht

Die Wünsche angestellter Ärzte an den Praxisinhaber ähneln in vielen Punkten denen der MFA. Aufgrund der speziellen Qualifikation und Tätigkeiten gibt es aber auch ganz spezielle Bedürfnisse. „Sehr wichtig ist angestellten Ärzten beispielsweise, Praxisabläufe und Therapiekonzepte mitgestalten zu können“, meint Daniel Peukert, Vorstandsmitglied des Berliner Hartmannbundes. Hinzu käme deren Bedürfnis, Verantwortungsbereiche innerhalb der Praxis übertragen zu bekommen. Hier biete sich eine Win-win-Situation an, denn neben der besseren Anbindung und Einbeziehung der angestellten Kollegen in die Praxis können solche Übertragungen den Praxisinhaber erheblich entlasten.

Sehr gerne würden angestellte Ärzte zudem sehen, wenn die hohe Flexibilität der Arbeitszeit dazu genutzt werden könne, ein zu ihren persönlichen Bedürfnissen passendes Arbeitszeitmodell zu gestalten. Gewicht hätten außerdem Bonus-Regelungen wie bei den MFA, die auch bei angestellten Ärzten sehr motivierend wirken. „Und regelmäßig Teamsitzungen abzuhalten, in denen man sich über Praxisabläufe austauschen und Veränderungsvorschläge diskutieren kann, ist ein weiterer großer und leicht zu erfüllender Wunsch“, ergänzt Peukert.

Welchen Aspekt ein Praxisinhaber zur Verbesserung der Motivation seiner Mitarbeiter auch immer in den Vordergrund stellt: Dem Praxisteam eine gute Kommunikation anzubieten, ist erkennbar zentral wichtig für die gesamte Arbeitsatmosphäre. „Den besten Zugang zu den Wünschen seiner Angestellten hat ein Arzt ganz klar bei Teambesprechungen“, ist Sabine Ridder überzeugt. Andreas Monning

Sie sorgen für ein zufriedenes Praxisteam, indem Sie . . .

  • sich um einen wertschätzenden Umgang aller mit allen bemühen
  • nicht mit Lob und Anerkennung sparen
  • mit kleinen Aufmerksamkeiten für eine gute Grundstimmung sorgen
  • die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter fördern
  • gute Arbeitsbedingungen schaffen
  • genug Personal beschäftigen
  • Ihren Mitarbeitern ausreichend Pausen gewähren
  • Mitarbeiter mit Familie unterstützen
  • flexible Arbeitszeitmodelle anbieten
  • einen angenehmen Pausenraum zur Verfügung stellen
  • angemessene Gehälter zahlen
  • regelmäßige Teamsitzungen einplanen
  • Aufstiegsmöglichkeiten fördern und Weiterbildungen als Arbeitszeit werten
  • Bonuszahlungen und Umsatzbeteiligungen ermöglichen
  • in Teambesprechungen auf geäußerte Wünsche achten.

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