ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Banken: Wie man als Kunde bei Gebühren gegensteuern kann

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Banken: Wie man als Kunde bei Gebühren gegensteuern kann

Büser, Wolfgang

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LNSLNSLNSLNS Es ist lange her, daß alle Banken und Sparkassen ihrer Kundschaft das Gehaltskonto kostenlos geführt haben. Mittlerweile kann die Schnittstelle zwischen Einnahmen und Ausgaben stark ins Geld gehen – wenn man das falsche Geldinstitut ausgesucht hat. So kann es sein, daß einem für 150 Buchungen im Jahr über 300 DM berechnet werden – oder nur 96 DM beziehungsweise gar nichts, wie jetzt bei der BfG-Bank.
Dennoch wechseln nur etwa zwei Prozent der BankKunden zur Konkurrenz – vermutlich, weil viele nicht wissen, daß sie für dieselbe Leistung woanders wesentlich weniger bezahlen müssen. Oder weil sie glauben, ein Wechsel ziehe viel "Verwaltungskram" (etwa für die Ummeldung der Daueraufträge) nach sich. Das läßt sich aber vermeiden: Die meisten Geldinstitute übernehmen dies gern für einen Neukunden.


Kritisch prüfen
Hier ein paar Tips, wie man ein "kritischer Bankkunde" werden kann.
H Lassen Sie sich das Preisverzeichnis Ihrer Bank oder Sparkasse geben und besorgen Sie sich entsprechende Verzeichnisse von anderen Geldhäusern. Vergleichen Sie die Preise und rechnen Sie überschlägig aus, wer Sie monatlich mit welchen Beträgen zur Kasse bittet. Denken Sie daran: Es ist nicht verboten, abweichende Vereinbarungen zu treffen, etwa für Daueraufträge die kostenlose Ausführung. Es hängt vom Verhandlungsgeschick ab.
H Wehren Sie sich dagegen, wenn Ihnen für die Änderung von Freistellungsaufträgen Gebühren (zum Beispiel 10 oder 20 DM) berechnet werden. Nicht alle Institute haben die Zinsabschlagsteuer als neue Geldquelle genutzt. Drohen Sie auf jeden Fall "Konsequenzen" an, wenn man Ihnen für eine Erhöhung des Freistellungsbetrages zwar nichts berechnet, aber für eine Herabsetzung. Auf keinen Fall müssen Sie eine nachträgliche Berechnung hinnehmen (also für Zeiträume vor der Aufnahme der Gebührenposition in das Preisverzeichnis).
H Hat Ihr Geldinstitut die Zinsen geändert ("angepaßt")? Oder will es für bestimmte Positionen höhere Gebühren berechnen? Allein über die Mitteilung im Preisaushang ist es nicht getan: Sie haben Anspruch auf ausdrückliche Information. Bei Zinsänderungen haben Sie das Recht (sofern im Vertrag nichts anderes vereinbart wurde), innerhalb eines Monats die davon betroffene Geschäftsbeziehung zu kündigen. Dann gelten bis zum Ende noch die alten Konditionen.
H Weisen Sie den Versuch energisch zurück, Ihnen – etwa für einen laufenden Kreditvertrag – zusätzlich Gebühren aufzubrummen. Was nicht von vornherein verlangt werden konnte, darf nicht "nachgeschoben" werden.
H Die Berechnung von Gebühren für das Einzahlen auf Ihr Girokonto (oder das Barabheben) hat der Bundesgerichtshof ausdrücklich untersagt. Das gilt auf jeden Fall am Bankschalter. Für Geldautomaten steht eine Entscheidung noch aus. Manche Geldhäuser versuchen seither, wenigstens über "Buchungsgebühren" ihre Kunden zu schröpfen. Lassen Sie sich das nicht gefallen. Das Oberlandesgericht Naumburg (Az.: 4 U 34/95) sowie das Amtsgericht Krefeld (Az.: 10 C 336/94) haben entschieden, daß auch solche Gebühren nicht erhoben werden dürfen.
H Berechnet Ihnen Ihre Bank oder Sparkasse Gebühren für die Aufbewahrung von Bundespapieren (zum Beispiel Bundesschatzbriefen)? Lassen Sie die Papiere (kostenlos!) zur Bundesschuldenverwaltung nach Bad Homburg schicken – dann ist’s mit der Gebührenschneiderei vorbei.
H Sie wollen Ihr Girokonto oder Ihr Sparbuch auflösen? Und Ihre Bank will auch dafür eine Gebühr berechnen? Wehren Sie sich! Der Verbraucherschutzverein Berlin hat schon eine Reihe von Instituten (erfolgreich) "abgemahnt", die sich auf diese Weise an ihren Kunden schadlos halten wollten. Wolfgang Büser

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