POLITIK

Infektionsprävention: Ein positiver Trend zeichnet sich ab

Dtsch Arztebl 2015; 112(39): A-1552 / B-1294 / C-1266

Richter-Kuhlmann, Eva

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Der erste Internationale Patientensicherheitstag richtete seinen Fokus auf die Hygiene und die Infektionsprävention. Dabei zeigte beispielsweise der Blick auf die seit sieben Jahren existierende „Aktion Saubere Hände“, dass Interventionen in Krankenhäusern greifen – eine Bilanz

Die kurz vor dem Internationalen Tag der Patientensicherheit veröffentlichte Studie der Asklepios Kliniken zeigt, dass viele Menschen in Deutschland – nämlich knapp zwei Drittel der 1 000 Befragten – bei einem stationären Aufenthalt am meisten eine Infektion mit einem multiresistenten Keim fürchten. Erst danach werden Ängste vor Behandlungsfehlern und Operationskomplikationen genannt.

Die Sorgen lassen sich nicht von der Hand weisen. „Nosokomiale Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionen in Deutschland“, bestätigte Prof. Dr. med. Martin Mielke, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Robert Koch-Institut in Berlin. Nach einer Hochrechnung des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen müsse man derzeit von 400 000 bis 600 000 nosokomialen Infektionen und von 10 000 bis 15 000 Todesfällen im Zusammenhang mit Krankenhausinfektionen ausgehen.

Erfreulich ist jedoch, dass sich in den vergangenen Jahren das Bewusstsein für die Problemfelder Hygiene/Infektionsprävention sowohl bei den Patienten als auch bei Ärzten und Pflegepersonal geschärft hat. Dies zeigt eine neue Studie der „Aktion Saubere Hände“, die vor sieben Jahren vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen zusammen mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) ins Leben gerufen wurde. Der Gesamtverbrauch an Händedesinfektionsmitteln sei bei den teilnehmenden 1 000 Kliniken seit 2008 um 81 Prozent gestiegen, berichtete Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. „Dies ist ein positiver Trend, den es zu halten und weiter zu steigern gilt.“

Hauptinstrument zur Ermittlung der Compliance der Händehygiene ist dabei die Messung des Verbrauchs an Händedesinfektionsmittel als Surrogatparameter. Zusätzlich könnten Krankenhäuser die Compliance aber auch durch direkte Beobachtung auf den Stationen erfassen, erklärte Gastmeier. Die Kliniken erreichten 2014 eine durchschnittliche Gesamt-Compliance von 72 Prozent. „Studien haben allerdings gezeigt, dass eine Compliance von mehr als 80 Prozent erforderlich ist, um nosokomiale Infektionsraten zu reduzieren“, sagte sie. „Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen.“ Gerade unter Ärzten gebe es noch Nachholbedarf.

Eine am Tag der Patientensicherheit durch das APS, den AOK-Bundesverband und die Techniker Krankenkasse vorgestellte Umfrage des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) der Universitätsklinik Bonn zeigt zudem, dass mittlerweile 91 Prozent der Krankenhäuser ihre Risikopatienten nach multiresistenten Keimen screenen. Vor fünf Jahren taten dies erst 72 Prozent. Zusätzlich setzen die meisten Kliniken ein breites Spektrum von Maßnahmen ein, um die Patientensicherheit zu erhöhen. „Insgesamt kann man sagen, dass die politischen Forderungen Wirkung zeigen, aber ohne die Förderung von Kompetenz und Ressourcen in den Kliniken wird es nicht gehen“, betonte Prof. Dr. phil. Tanja Manser, Direktorin des IfPS.

Die APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner verwies auf die neu gegründete „Infektion Prävention Initiative“, die sich beispielsweise derzeit intensiv dem Zusammenhang zwischen Personalausstattung und der Rate von nosokomialen Infektionen widmet.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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