POLITIK

Patientensicherheit: Ein Kulturwandel vollzieht sich

Dtsch Arztebl 2015; 112(39): A-1549 / B-1291 / C-1263

Richter-Kuhlmann, Eva

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Foto: iStockphoto [m]
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Mit dem Internationalen Patientensicherheitstag weist das Aktionsbündnis Patientensicherheit vor allem auf eins hin: Fehlerprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Obwohl das ethische Gebot „primum nil nocere“ – zuallererst keinen Schaden anrichten – für Ärztinnen und Ärzte immer höchste Priorität hat, treten Fehler im ärztlichen Alltag auf und es werden Erreger im Krankenhaus übertragen. Die erfreuliche Nachricht: Die Bemühungen der vergangenen Jahre, verstärkt auf Fehler- und Infektionsquellen zu achten und eine Fehlervermeidungskultur zu etablieren, greifen. Die Sicherheit der Patienten rückt seit einigen Jahren als Qualitätsmerkmal der Versorgung in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen in den Vordergrund. Seit 2013 ist sie sogar ein nationales Gesundheitsziel.

Novum: Internationaler Tag der Patientensicherheit

Darauf hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) anlässlich des ersten Internationalen Tages der Patientensicherheit am 17. September hingewiesen, den es mit seinen Partnern in der Schweiz und Österreich ausgerufen hatte. Im Fokus der Aktionen standen insbesondere die Hygiene und die Infektionsprävention. Dass sich an diesem Tag mehr als 170 Einrichtungen des Gesundheitswesens in Deutschland mit Informationsveranstaltungen beteiligten und die mittlerweile zahlreich existierenden Initiativen und Fortschritte auf dem Gebiet der Patientensicherheit präsentierten, kennzeichnet bereits den sich vollziehenden Kulturwandel.

Denn über Fehler bei der Versorgung von Patienten wird noch nicht allzu lange offen gesprochen. Zehn Jahre ist es her, dass sich Ärzteschaft, Vertreter der Gesundheitsberufe, Verbände, Krankenkassen und Patientenorganisationen unter der Schirmherrschaft des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums im APS zusammengeschlossen haben, um eine gemeinsame Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland aufzubauen. Inzwischen sei es gelungen, sich trotz allein ehrenamtlicher Tätigkeit als anerkannte Einrichtung zu etablieren, betonte die APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner. Aber: „Wir sind noch längst nicht am Ziel und dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen.“

Dr. med. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundes­ärzte­kammer, würdigte anlässlich des ersten Internationalen Tages der Patientensicherheit die Ansätze auf ärztlicher Seite: „Wir haben erfolgreiche Strategien zur Fehlerprävention und Qualitätssicherung entwickelt und kümmern uns um entsprechende Fortbildungsangebote zum Fehler- und Risikomanagement“, sagte der Präsident der Berliner Ärztekammer. Dazu gehörten die Förderung von Hygiene, die Unterstützung von praxisorientierten Aktivitäten wie die „Aktion Saubere Hände“ und der Ausbau des Infektionsschutzes.

Jonitz begrüßte in diesem Zusammenhang den kürzlich vorgelegten Zehn-Punkte-Plan der Bundesregierung zur Bekämpfung resistenter Erreger, der eine bessere Fortbildung von Fachpersonal und die Verschärfung von Meldepflichten vorsieht. Die Krankenhäuser werden mit insgesamt 365 Millionen Euro dabei unterstützt, bis 2016 zusätzliches Hygiene-Fachpersonal einzustellen und auszubilden. Trotzdem teilt auch der Kammerpräsident die Ansicht des APS, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind. Deutschland brauche beispielsweise mehr Lehrstühle für Krankenhaus- und Umwelthygiene. Ferner müsse das Thema Patientensicherheit verbindlich und nachhaltig in der Aus-, Weiter- und Fortbildung verankert werden.

Infektionsprävention: Mehr Pflegepersonal nötig

Auch an Bund und Länder wandte sich Jonitz. Diese sollten mit der geplanten Krankenhausreform bessere Rahmenbedingungen für gute Qualität in der Patientenversorgung schaffen. „Menschen behandeln Menschen, also helfen Vorschriften und Regeln nicht, wenn das Personal und die Ressourcen fehlen“, sagte er. Mittlerweile werde sogar in infektiologischen Risikobereichen – wie Intensivstationen – die von den Fachgesellschaften empfohlene Personalbesetzung in der Regel deutlich unterschritten.

„Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Personalausstattung und der Rate von nosokomialen Infektionen“, mahnte auch François-Kettner. Die APS-Vorsitzende forderte deshalb sinnvolle Pflegepersonalschlüssel sowie zur Infektionsprävention qualifizierte und adäquat zusammengesetzte Pflegeteams.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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